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Gegen das Bündnis der Kriegstreiber von Linkspartei und Hamas! Solidarität mit Israel! Kundgebung vor dem Karl-Liebknecht-Haus am 12. Juni 2010 Redebeitrag von: ag „no tears for krauts“ Halle |
Reden und Grußworte
Eröffnungsrede:
Tjark Kunstreich
Grußwort:
Thomas von der Osten-Sacken
Grußwort:
Bündnis gegen Antisemitismus Kassel
Redebeitrag:
HUmmel-Antifa (Berlin)
Redebeitrag:
Georg-Weerth-Gesellschaft Köln
Redebeitrag:
Hedonistische Mitte - Brigade Mondän
Redebeitrag:
Redaktion Bahamas
Redebeitrag:
Aufgelöste Gruppe Magdeburg
Redebeitrag:
ag „no tears for krauts“ Halle |
Redebeitrag von: ag „no tears for krauts“ Halle
Den linken Konsens brechen!
Liebe Genossinnen und Genossen, Freundinnen und Freunde, werte Berufs-Ostler
des Liebknecht-Hauses,
im Unterschied zu unseren Vorrednern werden wir weniger über die Levante, die
Hamas und den Landstrich zwischen Gaza-Stadt und Rafah sprechen, sondern über
den Gazastreifen der Bundesrepublik: die fünf neuen Bundesländer. Hier
übernimmt die Linkspartei – und das dürfte einer der Gründe sein, warum sich
die Besatzung des Liebknecht-Hauses so zu den Freunden des Propheten hingezogen
fühlt – eine ähnliche Funktion wie die Hamas in Gaza.
So ist die Linkspartei nicht allein Ausdruck der ostdeutschen Verhältnisse. In
ihr verdichtet sich nicht nur all das, was das Leben im Osten so unerträglich
macht: aggressive Weinerlichkeit, dumpfer Gemeinschaftskult und schlechter
Geschmack. Sondern die Linkspartei ist der zentrale Katalysator dieser
Zustände. Sie ist das, was ihre Vorgängerorganisation SED immer sein wollte,
nämlich Avantgarde. Diesen Avantgardestatus übernimmt die Partei nicht
gegenüber der Arbeiterklasse, von der auch die SED nicht mehr allzu viel wissen
wollte. Die Linkspartei gibt sich vielmehr als ostzonaler Bund der
Heimatvertriebenen und Entrechteten: als Vertreterin eines unterdrückten
Volkes, das sich gegen „imperialistische Fremdherrschaft“ oder, wie es bei
Sahra Wagenknecht regelmäßig heißt, imperialistische „Fremdverwaltung“ zur Wehr
setzt. Auch wenn der Vorschlag der Dresdner PDS-Politikerin Christine
Ostrowski, die PDS in eine OVP, eine Ostdeutsche Volkspartei, zu
transformieren, in den neunziger Jahren parteiintern abgewählt wurde, ist die
SED-Nachfolgerin längst im schlechtesten Sinn Volkspartei. Die zentrale
Voraussetzung für ein Aufgehen in der Linkspartei ist dementsprechend nicht
das, was früher als „fortschrittliche Gesinnung“ bezeichnet wurde. Sondern wer
als Klient, als Verhandlungs- oder als Bündnispartner der PDS in Frage kommen
will, muss entweder ostzonale Herkunft vorweisen können oder aber ostzonale
Gesinnung. Ganz in diesem Sinn fungiert die Linke in den alten Bundesländern
nach einer knapp zwanzigjährigen Latenzzeit als Auffangbecken für die
Ehren-Ossis des Westens: für ein Milieu, das der guten alten Zeit der Ära
Schmidt hinterhertrauert, sich permanent „belogen und betrogen“ fühlt und die
eigene Unzufriedenheit auf den Einfall ausländischer „Heuschrecken“ zurückführt
– für Leute also wie Norman Paech Annette Groth und Inge Höger. Und ganz in
diesem Sinn ist die Linkspartei immer dann zur Stelle, wenn sich Ostdeutsche
wieder einmal gegen Asylbewerberheime, jüdische Restitutionsforderungen oder
Pfarrer aus dem Westen zusammenrotten, um selbst die größten Sauereien unter
Verweis auf den Verlust von Polikliniken, Arbeitsplätzen und – insbesondere
dann, wenn das materielle Argument aufgrund überdimensionierter
Flachbildfernseher, tiefergelegter Sportwagen oder täglicher Rundum-Einkäufe an
gnadenlos überteuerten Tankstellen zu leicht als Lüge enttarnt werden kann –
„Identität“ zu rechtfertigen. Dem Ost-Volk wird so erstens signalisiert, dass
jemand für seine Ausfälle Verständnis hat. Es wird zweitens zu weiteren
Exzessen angestachelt. Und ihm werden drittens für diese Exzesse
Begründungsmuster und -floskeln an die Hand gegeben, mit denen es seinen
Jagdtrieb auch in Zukunft rationalisieren und gegenüber dem Westfernsehen
rechtfertigen kann. (Insbesondere die Formel vom Identitätsverlust, die
mittlerweile zum Standardwortschatz jedes mecklenburgischen Zeltplatzschlägers
gehört, dürfte im Osten überhaupt erst von der PDS verbreitet worden sein.)
Während sich der Parteivorstand lange Zeit noch im Lavieren übte, kam das Wesen
der marxistisch-leninistischen „Dialektik von sozialer und nationaler
Befreiung“, die der älteren Generation im Parteilehrjahr eingetrichtert wurde, in
den Regionalblättchen, bei den Mitgliederversammlungen und Kreisparteitagen der
Linken schon vor Jahren unverstellt zur Geltung. Beim Blick auf die Parteibasis
und die Wähler der Partei wird deutlich, was seit dem Beginn der
Dekolonisierung auch in der Dritten Welt beobachtet werden konnte: Der Kampf
gegen Fremdherrschaft richtet sich weniger gegen die Herrschaft als gegen die
Fremden. So hat die Linkspartei prozentual gesehen nicht nur von allen
Parteien, die im Bundestag vertreten sind, den größten Anteil
ausländerfeindlicher Wähler. Die geradezu obsessive Begeisterung der
parteinahen Presse für Hamas, Fatah und Co. dürfte nicht zuletzt vor dem
Hintergrund zu verstehen sein, dass die Palästinenser mit ihrem Kampf für die
heimatliche Scholle, den autochthonen Trachtenverein und das damit verbundene
Recht auf das große Halali gegen Fremde einen Stellvertreterkrieg für genuin
ostdeutsche Wünsche führen: Wenn das Neue Deutschland über die Schießereien in
Hebron, Gaza oder auf der „Mavi Marmara“ berichtet, dann schreibt es nicht nur
über die Zustände im Nahen Osten, sondern auch über den ersehnten Aufstand der
Betriebskampfgruppe „Schwarze Pumpe“ gegen Besserwessis, Treuhandanstalt und
„Fremdarbeiter“, die Chemnitzer Familienvätern nach Ansicht Oskar Lafontaines
die Arbeit wegnehmen. Überall dort, wo die Linkspartei besonders stark ist, ist
es dementsprechend für Fremde besonders gefährlich; überall dort, wo die
Linkspartei große Wahlerfolge einfahren kann, ist es für nonkonforme
Jugendliche besonders schwer; und überall dort, wo die Linkspartei die berühmte
kulturelle Hegemonie ausüben kann – wo also der „linke Konsens“ herrscht –, ist
auch die öffentliche Toleranz gegenüber Neonazis besonders groß.
Wir kommen damit zum Ende: Im Jahr 1990 rief die Sammlungsinitiative Radikale
Linke zum Boykott der ersten gesamtdeutschen Bundestagswahl auf, woraufhin sich
die PDS darüber beschwerte, dass die Kampagne weniger gegen die Wahlen als
gegen die PDS gerichtet sei. Auch wenn der Boykottaufruf tatsächlich eher die
potentiellen Wähler der PDS als der CDU oder SPD ansprach, wies die Radikale
Linke diesen Vorwurf empört zurück. Vielleicht ist es Zeit, diesen Vorwurf
dankend aufzugreifen und tatsächlich eine Kampagne gegen die Linkspartei zu
starten. Wer von der Linken nicht sprechen will, soll auch von den
Widerwärtigkeiten im Osten, vom Antizionismus und von deutscher Ideologie
schweigen. Unsere Möglichkeiten für eine solche Kampagne sind zwar noch
bescheidener als vor zwanzig Jahren. Weder der Stasirentner aus Marzahn noch der
Jungnazi aus Pirna wird sich von uns davon abhalten lassen, Gysis braune Truppe
zu wählen und seinen Hass auf den Westen an der Bushaltestelle, im Supermarkt
oder in der Arbeitsamtsschlange herauszurhabarbern. Vielleicht gelingt es aber,
dem Verein wenigstens einige derjenigen abspenstig zu machen, die nicht
aufgrund der Begeisterung für Jugendwerkhöfe, Abschnittsbevollmächtigte und
nationalen Sozialismus bei ihm gelandet sind, sondern aufgrund des –
zugegebenermaßen arg weltfremden – Glaubens, dass die Partei irgendetwas mit
dem zu tun hat, was der Linken von konservativer Seite gelegentlich noch
unterstellt wird: freie Liebe, Abscheu fürs Vaterland, Genuss und Glück. (So
etwas soll es geben.)
Und um mit gutem Beispiel voranzugehen, wollen wir hier schon einmal mit der
Agitation beginnen: Liebe Leute vom Hamburger „Landesarbeitskreises Shalom“ der
Linksjugend, die ihr diese Kundgebung unterstützt: Macht nicht länger auf
kritischer Parteisoldat, spielt nicht mehr linientreuer Dissident, sondern tut
es einigen Eurer früheren Genossen gleich und bringt der Katja Kipping, dem
Gregor Gysi oder dem Norman Paech Euer Parteibuch zurück! Der regressive
Antikapitalismus, die Sehnsucht nach der Stallwärme des Kollektivs und der Hass
auf Israel, die Ihr auf Eurer Homepage beklagt, sind nicht das
Verpackungsmaterial einer ansonsten duften Truppe, sondern das Fundament der
Linkspartei. Um den Anreiz noch ein wenig zu erhöhen, werden wir im Nachgang
dieser Kundgebung für jedes Parteibuch, das heute ins Liebknechthaus zurückgebracht
wird, eine Flasche Yarden-Wein aus dem hoffentlich für alle Ewigkeit
israelischen Golan spendieren. Das ist weit mehr als es das Heftchen wert ist.
ag „no tears for krauts“ Halle,
Juni 2010