DER SPIEGEL
Hauptstadtbüro
zu Händen Herrn Martin Pfaffenzeller
Alexanderstraße 5
10 117 Berlin

19. Februar 2017

Ihre mehrfach vorgetragene Gesprächsanfrage

Sehr geehrter Herr Pfaffenzeller,

Sie haben es vom Homepage-Manager und Polizeireporter des Tagesspiegels zum Mitarbeiter des Spiegels gebracht und fühlten sich in dieser Funktion bemüßigt, ihrem Honorargeber ein Gesellenstück aus der Hauptstadt zu präsentieren. In der Spiegel-Redaktion war nach dem Erscheinen des Kopfabschneider-Titels mit Trump und Libertas vom 4.2.2017 der innovative Gedanke aufgekommen, eine publizistische Stimme, am besten noch ein damit verbundenes politisches Spektrum aus Deutschland zu präsentieren, das sich für den amerikanischen Präsidenten Donald Trump ausspricht. Entsprechende Recherchen der Hauptamtlichen erwiesen sich als Fehlanzeige: Die AfD hat Trump zwar zum Wahlsieg gratuliert, weiß aber nicht weiter und schweigt besser zu Amerika, die CDU/CSU hat noch nicht einmal gratuliert, links warnten in der Jungle World vom 1.12.2016 der Professor Lars Rensmann und am 15.12.2016 der strebend bemühte Nachwuchskolumnist Matheus Hagedorny genau wie Spiegel-Redakteure vor dem amerikanischen Faschismus und noch weiter links bei Konkret oder junge Welt heißt es unisono „keine Heimat, wer schützt uns vor Amerika?“ Das muss ein tolles Gefühl gewesen sein, als Sie, Herr Pfaffenzeller, die Lösung präsentierten, auf die keiner gekommen wäre: Versuchen wir es doch mit der Bahamas, riefen Sie ganz aufgeregt in die Redaktionsrunde, „dort nämlich wird eine Querfront von ganz links und ganz rechts vorbereitet, deren Botschaft der Hass auf Deutschland, die EU und den Islam ist.“ Von Facebook wüssten Sie aus den Postings ausgewiesener Antideutscher, dass die Bahamas wie eine Eins hinter Donald Trump stehe. Am 9.2.2017 hörten wir zum ersten Mal von Ihnen: „Planen Sie für ihre nächste Ausgabe mit einem Artikel zum Phänomen Donald Trump? Falls ja: Wäre es möglich, dass Sie mir den Kontakt zu Autorin oder Autor vermitteln?“ Es war uns nicht möglich. Schon am 10.2.2017 waren Sie wieder da, diesmal am Redaktionstelefon: Ob nicht einer der Redakteure für ein ca. zweistündiges Gespräch zur Verfügung stünde, um eine Pro-Trump-Position zu präsentieren? Das Versprechen unseres Praktikanten, er würde Ihre Anfrage weiterleiten, gegebenenfalls erfolge Rückmeldung, reichte Ihnen nicht. Am 13.2. hatten wir schon wieder Post von Ihnen: „hat sich über das Wochenende jemand gefunden, der mit mir über die deutsche Querfront gegen Trump sprechen möchte?“ Das, sehr geehrter Herr Pfaffenzeller, war entschieden eine ganz unprofessionelle Antifa-Strategie. Sie müssten doch wissen, dass man den zu entlarvenden Faschisten zunächst in Sicherheit wiegen muss, damit er überhaupt anbeißt; erst im ca. zweistündigen Gespräch mit Ihnen hätte sich die Gelegenheit geboten, ihm die später noch zurecht zu fälschenden Zitate zu entlocken, denn dann kann noch nicht einmal der Bahamas-Zeck behaupten, er sei nicht mit Ihnen zusammengesessen, womit er alles Weitere sich selber zuzuschreiben hätte. „Querfront gegen Trump“, sehr geehrter Herr Pfaffenzeller, kann unmöglich den gesamtdeutschen Hass auf Amerika meinen, denn der bedarf keiner strategischen Bündnisse zwischen minoritären Spektren, der war schon da, bevor in den USA gewählt wurde und Osama Bin Trump mit dem Schlachtermesser der Freiheit an die Gurgel ging. Sie plauderten aus, was Sie dem Vertreter der Redaktion in den Mund legen wollten: die Bahamas sei Teil einer Querfront für Donald Trump, mithin eines islamophoben, antieuropäischen Bündnisses zwischen Pegida und Ayaan Hirsi Ali, Geerd Wilders und Alice Schwarzer, dem Berliner Schwuz und Milo Yiannopoulos – und haben das scheue Wild verjagt, bevor sie es vor die Flinte bekamen. Donald Trump rief kürzlich seinen Anhängern zu: „ich möchte zu euch sprechen ohne den Filter durch die Lügenmedien.“ Die Bahamas, die keine Anhänger hat, sondern Käufer, spricht zwar anders als Trump potentiell jeden an, und das ohne sich ihm anzubiedern, sie weiß aber mit Trump, dass man publizistisch oder akademisch dem Team Merkel sich anschleimende Meinungsverwalter samt ihrer Filter am besten treffen kann, wenn man ihnen ihre Macht bestreitet. Noch vor wenigen Jahren, sehr geehrter Herr Pfaffenzeller, hätten wir Ihnen bei verwandten Belästigungen einen kleinen Tausch vorgeschlagen: Sie lassen uns ein für alle Mal in Ruhe und wir nennen Ihnen einen garantiert kooperativen Meinungsonkel aus der Mediensparte „antideutsch light“ für Ihr Artikelprojekt. Leider können wir damit nicht mehr dienen, denn die sind alle wie der Matheus Hagedorny auf der Jagd nach Milo Yiannopoulos, Donald Trump oder Doktor Breitbart. Machen Sie sich nichts daraus und erzählen Sie den Spiegel-Redakteuren, was jeder Facebook-Nutzer über uns weiß: die Bahamas ist wirklich nur ein ganz kleines Sektenblatt, mit dem sich auseinanderzusetzen nicht lohnt, zumal man es dadurch nur unnötig aufwerten würde. Die Kollegen werden ein Einsehen haben, wissen sie doch, dass Anfänger wie Sie überall im Medienbereich aufdringliche Aufschneider sind, die meistens Scheiße bauen.

Mit freundlichen Grüßen,

Im Auftrag,
Sabine Schulzendorf