Vortrag & Diskussion in Berlin

Freitag, den 19. Januar 2018 um 19:00 Uhr
Chachachicas, Hasenheide 9, 2. Hof,
10967 Berlin, nahe Hermannplatz

Zur Kritik der Politischen Ökologie

mit Jörg Huber

Dass Klimaabkommen das Papier nicht wert sind, auf dem sie geschrieben stehen, ist längst klar. Die Unterzeichner halten sich nur an ihre unverbindlichen Versprechungen zur Reduzierung von Treibhausgasen, wenn sie ihnen ökonomisch opportun erscheinen. Zwischen dem moralisch hochtrabendem Anspruch der Klimapolitik und der Wirklichkeit klafft eine große Lücke. Dass die internationale Klimapolitik, obwohl sie das Klima daher kaum beeinflussen kann, mit ihren jährlichen Mammutkonferenzen andauernde Aufmerksamkeit erregt, hat vor allem ideologische Gründe.

Die skandalöse Meldung, die die Tagesschau am 7.11.2017 veröffentlichte, hätte man aber dennoch nicht für möglich gehalten:

USA isoliert
Auch Syrien tritt Klimavertrag bei
Als letztes UN-Land will nun offenbar auch Syrien dem Pariser Klimaabkommen beitreten. Die USA, deren Präsident Trump Anfang Juni den Austritt angekündigt hatte, wären damit als einziger Vertragsgegner völlig isoliert.
[…]
Es ist höchst erfreulich, dass Syrien soeben angekündigt hat, dem Pariser Klimaabkommen beitreten zu wollen, sagte Sabine Minninger, Klimareferentin von Brot für die Welt. Angesichts des verheerenden Klimawandels zeige die Welt Einigkeit.
[…]

Wie aber soll ein Bürgerkriegsland einen nationalen Plan zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen entwickeln und einhalten, wie ihn das Pariser Abkommen vorsieht? Nach 6 Jahren mörderischen Krieges gelingt in weiten Teilen des Landes nicht einmal mehr die Versorgung mit dem Allernötigsten. Und wie kann man sich nur über die Ankündigung freuen, den Treibhausgaseausstoß zu reduzieren, wenn sie aus einem Land kommt, in dem bis zuletzt im Bürgerkrieg Giftgas eingesetzt wird?

Diesen Zynismus und alle offensichtlichen inhaltlichen und formalen Widersprüche der Einigung mit Syrien rechtfertigt der symbolische Erfolg, der im Zentrum der Meldung steht: USA isoliert. Um sich mit der ganzen Welt vereint zu fühlen und mit ihr gegen den allerschlimmsten Klimasünder zu mobilisieren, kommen den meisten Klimaschützern absolut alle Verbündeten gelegen. Sie sind so selbstlos, dass sie unsere Erde auch gemeinsam mit einem mörderischen syrischen Regime und einem irren nordkoreanischen Tyrannen retten werden.

Der Vortrag wird die Entwicklung der politischen Ökologie nachzeichnen und den übergeschnappten Klimaaktionismus kritisieren, um zu verstehen, wie die mit wissenschaftlichen Argumentionsmustern unterfütterten ökologischen Debatten zu dieser obszönen internationalen Politik führen.