Vortrag und Diskussion

Montag, 29. März 2004, 19:00 Uhr,

Berlin, Saal der Jerusalemgemeinde,

Lindenstrasse / Markgrafenstrasse, U-Hallesches Tor

 

Flagge zeigen!

 

Pünktlich zum jüngsten Triumph der Verdammten dieser Erde am 11.03.2004 in Madrid, demonstriert das revolutionäre Kreuzberg internationale Solidarität. Seither klirren auf einem Dachfirst am Heinrichplatz die Fahnen der weltweiten Intifada im Wind: Die palästinensische sekundiert von der roten. Drei Tage später unterwirft sich das pazifistische Spanien dem Voraustrupp der antisemitischen Internationale, tritt das Angedenken von über 200 Ermordeten mit Füßen und huldigt im Zeichen des demokratischen Sozialismus ebenfalls der weltweiten Intifada.

Während in Spanien islamfaschistische Massenmörder ganz offen die Politik diktieren, diskutiert das etwas nördlichere Europa noch immer darüber ob es einen neuen Antisemitismus gebe, ohne zu einem Ergebnis zu kommen. Das verwundert nicht weiter: Die Politprominenz in der EU-Komission von Prodi bis Solana leugnet und mauert. Die deutsche Regierung läßt sich in Beirut von der Hisbollah feiern, große Teile der britischen akademischen Intelligenz haben Israel-Boykott-Listen unterschrieben, in Frankreich besteht ein enges Bündnis zwischen linken Massenbewegungen und den Antisemiten aus den Banlieus, in Schweden spricht sich der Erzbischof von Stockholm für den nationalen Israelboykott aus, in Kärnten verhilft die SPÖ dem Saddam-Fan Jörg Haider zur Wiederwahl als Landeshauptmann, in Antwerpen terrorisieren islamistische Kiezmilizen im Zeichen des Antirassismus jeden, der sich ihren Regeln nicht beugen will.... Die Reihe könnte fortgesetzt werden.

Müßte man als Kritiker des Antisemitismus und Freund des jüdischen Staates angesichts eines um sich greifenden, als Israelkritik getarnten Antisemitismus nicht irgendwie aktiv werden? Liegt es nicht nahe, gegen das durch alle politischen Lager sich ziehende Bündnis deutscher Friedensfreunde mit frommen Antisemiten, von denen man weiß, daß sie Israel auslöschen wollen, öffentlich ein Zeichen zu setzen, ein Zeichen der Solidarität mit dem jüdischen Staat und zugleich ein Zeichen des antifaschistischen Protests gegen die Zumutungen des globalen Faschismus und seine Mordtaten? Ist es nicht eigentlich selbstverständlich, daß Israel, weil es notgedrungen der Frontstaat gegen den antiimperialistischen Furor seiner Nachbarn sein muß, in seinem Verteidigungskampf als Staat mit seinen bewaffneten Organen, seinen Geheimdiensten etc., alle Solidarität erfahren müßte? Was also spricht dagegen, diese Solidarität mit der Landesfahne Israels öffentlich auszudrücken?

Offenbar alles. Gerade weil diese Fahne, öffentlich gezeigt, das ideologische Bündnis von deutschen Nazis und deutschen Linken gegen Israel und seinen einzigen sicheren Verbündeten, die USA, entlarvt, muß sie verschwinden. Am 31. Januar diesen Jahres wurden in Hamburg Leute, die die isarelische Fahne auf einer Demonstration trugen nicht etwa von Nazis, sondern von deutschen Linksradikalen angegriffen, die Fahne zerrissen und in einem Fall sogar verbrannt.

In einem linksdeutschen Spartenblatt für soziale Kämpfe weltweit diskutieren seither Antizionisten aus Paris mit Diskursheinzen aus der Medienecke und Kommunisten, die zu Israel beredt schweigen, aufgeregt darüber, warum es eine zu bekämpfende Praxis sei, Israelfahnen öffentlich zu zeigen, jedenfalls dann, wenn man kein Jude ist. Sie werden damit weitermachen, bis auch diese Intifada zum Sieg geführt haben wird und das bewußte Blatt möglicherweise genauso antisemitisch ist wie die Junge Welt aus der es hervorgegangen ist.

Die israelische Fahne ist kein austauschbares Zeichen für Nationalismus und schon gar kein Symbol der Herrschaft. Sie steht für die Befreiung des jüdischen Volkes genauso wie für einen zivilisatorischen Standard, den aufzugeben Verhältnisse befördern würde, von denen man am 11.09.2001 in New York und am 11.03.2004 in Madrid einen Vorgeschmack bekommen hat. Anders als die hoffnungslos mißbrauchte rote Fahne, wird die Israels niemals einträchtig neben den Bannern der Vernichtung wehen. Gründe genug, darüber zu diskutieren, wie man auch zukünftig Flagge zeigen kann für Israel und gegen die antisemitische Internationale.

 

Es referieren:

Ralf Schröder (jour fixe „ZIVILISATORISCHE RESTPOSTEN)

Sören Pünjer (Redaktion BAHAMAS)

 

Vortrag und Diskussion

Montag, 29. März 2004, 19:00 Uhr

Berlin, Saal der Jerusalemgemeinde,

Lindenstrasse / Markgrafenstrasse, U-Hallesches Tor