Ich wusste ja nicht, dass Netanjahu Jude ist. ZerknirschSmiley!

Über den Untergang der Satire im juvenilen Gekicher von Die Partei und Titanic

Einer, der unmittelbar nach den Anschlägen von Paris am 8.1.2015 im ARD Nachtmagazin befragt wurde, ob er angesichts der Ermordung seiner Kollegen von Charlie Hebdo nicht ab sofort mehr Witze über den Islam bringen wolle, antwortete unter anderem so: man müsse terrorfeindliche und nicht islamfeindliche Witze machen, Mohammedkarikaturen würden nämlich „viele Menschen beleidigen, die keine Satiriker töten wollen, und das muss nicht sein.“ Er war mit sich zufriedener als das deutsche Staatsfernsehen, das gerne etwas über – natürlich maßvolle – Islamsatire hören wollte, und legte ein Jahr später unter Bezug auf Aiman Mazyek nach: „Aber der Mann ist Vorsitzender des Zentralrats der Muslime, dürfte also den ganzen Tag keine mit Fürsorge getarnten Angst-Fragen gehört haben, sondern Fragen mit dem Unterton ‚Rechtfertigen Sie sich‘ oder zumindest ‚Sie wissen doch, wie diese Terroristen denken – erklären Sie es uns‘. Ein noch unangenehmerer Tag als meiner, vermute ich. Überhaupt: wie ermüdend muss es sein, etwa als kopftuchtragende Muslima von einem solchen Anschlag zu hören. Nicht nur bedauerte man die Getöteten und ihre Angehörigen, man müsste sich auch darauf gefasst machen, dass einem künftig Wildfremde Mohammedwitze entgegenbrüllen, nur um ‚Toleranz‘ und ‚Humor‘ zu testen. Also beantworte ich die saudummen Fragen mit etwas mehr Empathie für diese Menschen als nötig, aber insgesamt zufriedenstellend ruhig und sachlich, gegen den Druck der hysterischen Medienmaschinerie. Nicht schlecht für mein erstes Studiointerview.“ (Titanic 4/16)

Dieser zynische Appeaser, der den Redakteuren von Charlie Hebdo in der ARD nachsagte, Grund für ihre Ermordung sei „ein sehr spezifischer eigener Konflikt“ gewesen, der nicht dem „Berufsstand der Satiriker“ gegolten habe, dieser erbärmliche Feigling, bei dem Satire dort aufhört, wo der Islam und die Gefühle von dessen Anhängern anfangen, der „ruhig und sachlich“ dem Druck einer hysterischen, Muslime durch die Gassen hetzenden Medienmaschine standgehalten hat, Tim Wolff, Chefredakteur der Titanic seit 2013, hat den Aufruf der Redaktion Bahamas, Die PARTEI nicht zu wählen, auf Facebook in voller Länge dokumentiert, um dann hinzuzufügen: „Was es wohl bedeutet, dass mich Justus Wertmüllers Angst vor der eigenen Humorlosigkeit (dem ultimativen Deutschsein) mehr amüsiert, als so ziemlich alles, was Die PARTEI in diesem Wahlkampf produziert?“ Ich kann es ihm beantworten:

Es bedeutet, dass Humoristen, die das tantige Wort „sich amüsieren“ bemühen, mit dem sich eine konfliktscheue, behagliche Stimmung wie etwa die Freude der Deutschen an Victor von Bülows Lebenswerk charakterisieren lässt, so kalt erwischt worden sind, dass sie das lustige „hier könnte auch Justus Wertmüller hängen“ gerade noch aus dem Text geworfen und die Haltung, die sie verloren haben, recht verkrampft wiederaufzurichten suchen. Es bedeutet, dass so einer auf seinem eigenen Facebook-Account die Mannschaft nicht mehr recht zusammenhalten kann und wohl auch nicht will, die in ihrer Mehrheit immer haltloser den kollektiven Israel-Kritiker gibt und den wenigen Sonneborn-Gegnern ganz im Stile des deutschen Außenministers ein trotziges „Netanyahu-Kritik muss ja wohl noch erlaubt sein“ entgegenhält. Es bedeutet auch, dass eine Partei und ihr Zentralorgan nicht etwa zufällig, wegen einer Aussage des Parteivorsitzenden, sondern konsequent Antisemitismus in seiner grünen, mordenden Variante aktiv bedienen und das keineswegs nur durch obstinates Verschweigen.

Im Gleichklang von Muschi und Burka

Während Wolffs Vorgänger als Titanic-Chefredakteur in der Konkret vom September 2017 in arger Not auf die Frage „Jetzt mal im Ernst: Martin Sonneborn hat Sigmar Gabriel gegen Benjamin Netanjahu verteidigt. Wie stehen Sie dazu? Wie steht es um die Israel-Solidarität in Der Partei?“ ohne auf die Schmähung des israelischen Ministerpräsidenten und ihre Bedeutung auch nur einzugehen, zum Amüsieren komisch geantwortet hat: „Martin Sonneborn ist ein freundlicher älterer Herr, der mit den vielen Informationen, die tagtäglich auf ihn einstürmen, einfach nicht mehr zurechtkommt. Wir kennen das ja von Dieter Hallervorden und Tilo Jung. Ansonsten ist Die PARTEI selbstverständlich prozionistisch! Wir wollen Teil einer Weltverschwörung sein, nicht irgendwie danebenstehen“, erklärte Die PARTEI, für die er kandidiert, ganz offiziell: „Wir halten es für deutlich zu teuer, zu versuchen, die doofe Bundeswehr in die Lage zu versetzen, überhaupt irgendetwas zu verteidigen. Wir halten es mehr mit der guten alten Tradition des Stellvertreterkriegs und rüsten lieber Staaten wie Saudi-Arabien auf, Libyen, Katar, Irak, Israel [!], Oman, Pakis... (Leider ist die Zeichenzahl im „Wahl-O-Mat“ der Bundeszentrale für politische Bildung begrenzt und wir hatten im ersten Satz verdammt viele Kommata, Liste daher bitte selbstständig ergänzen).“ (1)

Da Martin Sonneborns Sentenz „Lustig, zum ersten Mal sind meine Sympathien fast überwiegend auf Sigm. Gabriels Seite… Ich würde Netanjahu mit ein paar Planierraupen besuchen, ihm das Wasser abstellen und ihn ein bisschen anderweitig demütigen“ nicht zu dessen rascher Kaltstellung zum Zwecke schleunigster Abwahl auf einem Sonderparteitag geführt hat, ja dergleichen humorlose Aktivitäten noch nicht einmal von einer Minderheit angestoßen wurden; da anders als die antisemitischen Kleinstparteien von links (MLPD) bis braun (Deutsche Mitte) Die PARTEI mehr als 1 Prozent der Wählerstimmen überhaupt und mehr als 5 Prozent in den Heimatkiezen jenes Milieus einsammeln kann, das zunehmend die Verantwortungsträger im überquellenden deutschen Staatshumor-Sektor stellt; da erstaunlicherweise Doppelfreundschaften mit zum Beispiel Tim Wolff und mir auf Facebook gar nicht so selten vorkommen, mithin die Hirnverheerungen im eigenen Umfeld anzutreffen sind und womöglich sogar zunehmen unter Leuten, die aus Angst nicht etwa vor der eigenen Humorlosigkeit, sondern vor dem Stigma, auf der einmal für richtig erkannten Einsicht auch dann noch zu bestehen, wenn sie nicht mehr richtig angesagt ist, und deswegen als spielverderberische autoritäre Knochen, vulgo humorlose Gesinnungs-Deutsche, ausgemacht zu werden, sich wegducken; da also nicht nur die Tolerierung antisemitischen Bescheidwissens von Die PARTEI und Titanic anzuprangern ist, muss das, was ich nicht zu meinen Eigenschaften zähle, also ein anscheinend antideutscher Humor, der jede Schandtat deckt, einmal grundsätzlich verhandelt werden.

Damit keiner sich mit dem Hinweis herausrede, es gebe für die Humorproduktion aus dem Umfeld von Die PARTEI einen Unterschied zwischen einem intellektuellen und einem Krawall-Flügel, also zwischen klebrigen Pennäler-Träumen vom Mädchen-Angrabschen bzw., soweit die Verteidigungsministerin gemeint ist, landserhaft forscher: die mit dem Schlimmsten spielende Verhöhnung der „Flinten-Muschi“ (2) oder vorpennälerischen Pipi- und Kacka-Witzen einerseits und angeblich luzider, am Ende gar an Karl Kraus und Adorno geschulter Satire andererseits, sei vorab festgehalten: beide Humor-Varianten bedingen sich gegenseitig. Den Weg, an dessen Ende Benjamin Netanyahu und dem Staat, dem er vorsteht, das Abrisskommando auf den Hals geschickt wird, gehen Intellektuelle und „nur“ Lustige gemeinsam im Gleichklang von Muschi und Burka. Das niederschmetternde Geheimnis des Erfolgs von Die PARTEI und ihres Zentralorgans Titanic liegt in dem triumphalistisch präsentierten Persönlichkeitsdefizit, für das Objekt des eigenen Begehrens nie attraktiv genug gewesen zu sein und damit eng verbunden der kaum gebändigten Begeisterung für die große Ordnung einer sozialistischen Gleichheitspartei, die als infantile Bruderhorde in Europa vermehrt Jagd auf Frauen veranstaltet, deren Bekleidung und Verhalten den rohen Zugriff auf ihre Möpse und Muschis legitimiert. Auf den Plakaten heißt es „Vier Fotzen für ein Halleluja“ – man sieht vier junge Frauen aus dem Umfeld der PARTEI – oder, gegen die CSU-Politikerin Gerda Hasselfeldt gerichtet, „Burka für Gerda“, weil diese sich für ein Verbot eben dieser Verhüllung ausgesprochen hat. Wer sich Ende August 2017 noch gefragt haben sollte, was es mit der vom Kanzlerkandidaten Serdar Somuncu vorgetragenen Forderung „Nacktpflicht für Frauen zwischen achtzehn und fünfundzwanzig“ auf sich hat, dem sei mitgeteilt, was Die PARTEI letztes Jahr in Münster geklebt hat: „Burkaverbot reicht nicht – Nacktheitspflicht für alle!“ Noch ein wenig beunruhigender, bereits mit dem Motiv der Vergewaltigung spielend, machte im September 2015 die Titanic auf, die ihren Lesern einen Joe für einen Abdallah vormachen wollte: Flüchtlings-Joe (52 cm) im Glück (Asyl): Meine erste Zonen-Gaby.

Die hundert reichsten Deutschen umnieten lassen

Am Ende seiner fünf Jahre als erster schwuler – wie er seit Jahren nicht müde wird zu betonen – Chefredakteur des Zentralorgans von Die PARTEI, also schon am 18.10.2013, charakterisierte die FAZ unter Bezug auf eine Gewährsperson Leo Fischer durchaus zutreffend: Man versteht Kristin Eilert, Frau des Titanic -Urgesteins Bernd Eilert und seit vielen Jahren Korrektur-Assistentin bei Titanic. Auf die Frage, was sie am meisten an Fischer vermissen wird, hat sie sofort geantwortet: Dieses juvenile Kichern aus seinem Büro. Weder Fischer, der in Frankfurt am Main für Die PARTEI kandidiert, noch seinen zahlreichen Fans dürfte aufgefallen sein, dass diese zutreffende Beschreibung durchaus vernichtenden Charakters ist und mit Fischer die ganze in seinem Büro herumlungernde Kumpanei meint. „Er lacht eigentlich auch nicht, es ist mehr ein Giggeln“, ergänzte die FAZ und ließ ihre Leser dessen Humorproduktion hautnah miterleben: „‚Porträt, daneben Foto des Geschlechtsteils aus Leberwurst oder anderen Metzgereiabfällen‘, tippt er in das Feld für die Anweisungen an den Bildredakteur. ‚Oder ist das zu eklig? Oh Gott, das wird wieder so ein Dreck‘, ruft Fischer durch die Redaktion. Er überlegt. Im Wikipedia-Portal ‚Sexualität‘ findet er das Wort ‚Ablaichbürste‘ und muss sofort kichern. Korkenzieherpenis gefällt ihm auch sehr gut, er wird ganz hibbelig vor Lachen.“ Die Porträts, die der Praktikant dann heraussucht, dürften die von Marcus Söder, Gerda Hasselfeldt, des damals noch amtierenden deutschen Papstes oder Erika Steinbach gewesen sein. Die Geschlechtsteile aus Wurst bastelt man wohl gemeinsam in der Teeküche und fertig ist ein Humor, vor dem ich mich wirklich fürchte.

Je angesagter der Kiez in Berlin, Leipzig, Frankfurt oder Hamburg ist, desto ironischer ist der Ton. Sprüche und Wortspiele politischer, sexueller oder nur ekliger Natur werden anders als die faden Witze des deutschen Spießbürgers, als den man den Hauptgegner zu bezeichnen gewohnt ist und den man zu kennen behauptet, als sei man in Eckkneipen oder auf Volksfesten zu Hause, nicht mit wieherndem Lachen quittiert, sondern bekichert. Wenn es sexuell witzig werden soll, dann gibt es Hundebilder mit junger Frau und Loriot-Anspielung: „Möpse gehen immer“ bzw. „Möpse streicheln? – wählt uns“, oder die Plakat-Parole „Politik zum Anfassen“ mit aufgeklebten Textilfasern, die Schamhaare vorstellen sollen, auf der gezeichneten Silhouette eines weiblichen Unterleibs. Wenn es politisch witzig sein soll, dann macht man aus dem Slogan für mehr Werbung an bislang wenig genutzten Orten „Hier könnte Ihre Werbung stehen“ flugs die 2016 erstmals öffentlich gezeigte Plakat-Idee „Hier könnte ein Nazi hängen“ oder in der NRW-Variante ein paar Jahre zuvor in riesigen Lettern „Nazis hängen“ und dann sehr klein weiter: „…ihre Wahlplakate immer ganz weit oben auf“. Statt offen einzugestehen, dass man sich damit zustimmend auf die barbarische Sansculotten-Version des Revolutionsliedes „Ça ira“ mit seinem jede Bierzelt-Gaudi in den Schatten stellenden Aufruf zum ganz großen Volksvergnügen „les aristocrates à la lanterne“ bezieht, erklärt man treuherzig, dass dies doch alles nur Satire sei und nicht die – selbstverständlich ironisch gebrochene – Affirmation der Mordlust losgelassener Zwangskollektive. Die Rechtfertigung lautet ganz intellektuell und verantwortungsvoll: „Es ist ein Hinweis, dass am selben Ort auch rechtsextreme Plakate hängen könnten“, und weil das so natürlich nicht gemeint war, folgte der Nachsatz: „Was haben Sie denn für eine kranke Phantasie.“ Zwar hatte schon im Frühjahr 2016 die NPD in Sachsen-Anhalt an Laternen verlautbart: „Wir hängen nicht nur Plakate“, was der Humor-Antifa perverser Weise Grund ist, mit ihnen in ihrer ureigenen Disziplin gleichzuziehen, allerdings auf links und plebejisch, vulgo emanzipatorisch und witzig. Die am Stammtisch in der angesagten Bornheimer Kneipe tonangebende Stimmungskanone, der man Übergewichtigkeit nicht nachsagen kann, hatte für die Freunde des nur-lustigen Humors schon wieder einen neuen auf Lager: „Hier könnte Sigmar Gabriel nicht hängen (zu schwer)!“

In einem kurzen Konkret-Interview bringt es der Vorzeige-Intellektuelle der deutschen Humorfront Leo Fischer gleich auf zwei bemerkenswerte Gewaltphantasien, die durch den kichernden Ton, in dem sie vorgetragen werden, noch beklemmender klingen: „Wir stehen zu unserem Versprechen, nach der Wahl die hundert reichsten Deutschen umnieten zu lassen – natürlich nur, nachdem wir die dafür erforderliche gesetzliche Grundlage geschaffen haben.“ Man kontrastiere das mit der auch recht lustig gemeinten Einlassung des früheren CDU-Bürgermeisters von Korschenbroich Wilderich Freiherr von Mirbach Graf von Spee, zur Sanierung des Haushalts müsse man „ein paar reiche Juden erschlagen“ aus dem Januar 1986. Diese Sentenz wird seither gerne als Unterrichtsmaterial in jenen fortschrittlichen Gymnasien, die Deutschlands Humor-Elite einst besucht hat, warnend zitiert, wenn die Aktualität des Antisemitismus Gegenstand ist. Bei der Beantwortung der die Nation aufwühlenden Frage von ausgerechnet Konkret: „Wie sollte mit den korrupten Autobauern umgegangen werden?“ gibt der gleiche Fischer Auskunft, dass er auch etwas von der revolutionären Feindbestimmung gegen Klassenfeinde, Volksschädlinge und Diversanten versteht, die mit öffentlichen Verdächtigungen beginnt, im Folterkeller verfestigt wird und im Schauprozess mit grotesken Selbstbezichtigungen der Delinquenten zu ihrem Höhepunkt kommt, die danach dem Genickschusskommando überstellt werden: „Auch hier wäre ich für die humane Lösung durch eine schnelle, unbürokratische Umnietung – so ersparen wir den Beklagten und der Öffentlichkeit ein langwieriges und demütigendes Gerichtsverfahren mit erpressten Geständnissen und Tränen vor laufender Kamera. So wird das in China schließlich auch geregelt.“ Gewiss meint er es nicht so, Fischer ist kein Antisemit und seine Stalinismus-Vorlieben erschöpfen sich im gläubigen Nachplappern der verrückten Kommentare Hermann Ludwig Gremlizas. Da es ihm und seinen Kumpanen aber nicht um die Denunziation zynischer Verhältnisse, sondern nur noch um die Bedienung der niedrigen Erwartungen an Satire einer zunehmend zynischen Gemeinde zu tun ist, die sich von denen des früheren Bürgermeisters von Kerschenbroich nicht mehr unterscheiden, müssen sie damit leben, dass man ihnen ganz humorfrei die eigene Melodie vorspielt.

Weil ich mir egal bin

Vom antinationalen Block Deutschlands, der auf Gesinnungsdeutsch ausruft „Nationalismus tötet“ und auf Unterwerfungs-Deutsch meint: „Nationalismus ist haram“, geht nicht zuletzt dank des nicht enden wollenden Gekichers von Kollegen, Kommilitonen, Mitschülern, Nachbarn und häufig genug auch Freunden, die jedenfalls ultimativ antideutsch sind, eine größere Gefahr für Israel aus, als von seinen bewaffnet agierenden Gegnern. Wenn auf Plakaten eine lächelnde junge Frau im schulterfreien Kleid neben einer unter einem schwarzen Sack mit Sehschlitz verhüllten anderen Frau abgebildet wird und darunter steht: „Bunt statt braun – Gesicht zeigen“, dann kann man dagegen auch dann nichts einwenden, wenn die Urheber sich „Die Hannoveraner“ nennen und vermutlich gegen die Plakatparole „Hier könnte ein Kinderschänder hängen“ nichts einzuwenden hätten. Wer als Replik in antifaschistischer und natürlich satirischer Absicht der Burka-Frau einen NPD-Nazi an die Seite stellt und „Burkapflicht für Nazis – Hackfressen verdecken! Partei-Grau statt Nazi-Braun“ textet, vermeidet nicht nur jeden Einwand gegen die größte antinationale Bewegung der Welt, sondern rückt stattdessen ihre Kritiker und mehr noch diejenigen, die vor ihr Angst haben, also besonders Frauen – und unter ihnen wieder ganz besonders jene, die nach den Gesetzen des Propheten sich verhüllen müssten – unterschiedslos in die Nähe zum selbstredend faschistischen Nationalismus. Wer so etwas tut, liefert die 12- und 14-jährigen Schwestern Ilknur und Şebnem Demir, die das Unglück haben, in der Neuköllner Flughafenstraße zusammen mit ihrer alleinerziehenden und nicht minder kopftuchlosen Mutter im gleichen Gebäude wohnen zu müssen, in dessen Erdgeschoss die Dar-as-Salam-Moschee residiert, einem jugendlichen männlichen Gesindel ohne Flucht- aber Islamhintergrund aus, das es mindestens 52 cm lang in der Hose hat wie sonst nur der Flüchtlings-Joe und die beiden Mädchen regelmäßig feixend als Schlampen und Nutten beschimpft. Diese frommen Jungmänner, die jeden Nachmittag, wenn Ilknur und Şebnem von der Schule nach Hause kommen – und die Neuköllner Bürgermeisterin Giffey oder andere deutsche Ulknudeln gerade nicht zu Besuch beim Imam sind –, vor der Moschee abhängen, bekräftigen vorerst nur in gemeinen Worten und obszönen Gesten gegen die beiden „Muslimas“, die es nicht sind, aber nach dem Gesetz der religiös bestimmten Rasse sein müssen, dass sie die Botschaft von Tim Wolff und seinen Kollegen verstanden haben: Wer unbedeckt auf die Straße geht und damit der humorvoll dekretierten Nacktpflicht gegen Burkas folgt, braucht als Störerin der Gemeinschaftsordnung auf Solidarität aus der Mehrheitsgesellschaft nicht zu hoffen. Das trifft irgendwann auch den letzten bewaffneten, skandalöserweise auch mit deutschen Waffen versehenen Störer des Antinationalismus, den von Burka-Frauen und ihren Hipsterbart tragenden Männern umstellten jüdischen Staat, der seine Grenzen schützt und im Inneren den solidarischen Angehörigen des je aktuellen Judenmörders mit Planierraupen das Haus zerstört.

Die diesen kichernden Unmenschen applaudieren, sind Leute, die ihrer realen Austauschbarkeit – dem Umstand also, dass sie nicht nur dem Arbeitsmarkt, sondern auch den eigenen Kneipengenossen herzlich egal sind – mit einem trotzigen „Weil ich mir egal bin“ begegnen und sich genau deswegen ermächtigt fühlen, Planierraupen gegen Israel, dessen Schicksal der ganzen Welt egal ist, auffahren zu lassen und irgendwann gegen die zwei Moslem-Fotzen aus der Flughafenstraße ein antirassistisches Halleluja anstimmen. „Weil ich mir egal bin“, unter diesem Motto präsentierte sich im Wahljahr 2017 ein Nico Semsrott als Kandidat von Die PARTEI, von dem man weiß, dass er in seiner Schulzeit in Hamburg die Schülerzeitung Sophies Unterwelt gegründet hatte, die so kreuzbrav das rot-grün-linke Standardprogramm herunterspielte (Warnung vor dem Überwachungsstaat und so), dass sie vom Spiegel mit ganz besonderer Liebe als „rebellisch“ protegiert wurde. Von Semsrott weiß man auch, dass er als depressive Kunstfigur auf Poetry Slams, Kabarettbühnen und im Fernsehen auftritt und seit 2017 zum Team der ZDF heute-show gehört, wie übrigens auch Oliver Nagel, der von 2004 bis 2008 zweiter Bundesvorsitzender der Partei war und sich seine Sporen bei Frankfurter Rundschau, Taz, Zeit und Süddeutscher Zeitung verdient hat und eine ganze Reihe weiterer Zuarbeiter von Die PARTEI und Titanic. Einem wie Semsrott, dessen genauso mutige wie originelle Szene „AfD-Wähler sind arm dran“ bei youtube von 1,7 Millionen Rebellen aufgerufen wurde, ist die Bedrohung von rechts, die mit jeder vergewaltigten Joggerin steigt, natürlich nicht egal. Sie zu perhorreszieren führt den Talentlosen zum Erfolg bei Leuten – vor allem Männern zwischen 14 und 59 – die, inzwischen drei Millionen stark, den fadesten Staatsbürgerunterricht via ZDF vorwiegend deshalb goutieren, weil einige Frauke-Petry-Bilder mit Unterzeilen wie „nicht vermisst“ oder „Sieg heul“ unterschrieben sind und Martin Schulz nicht wegen seines fiesen Programms, sondern seiner Erfolglosigkeit und Unbeliebtheit verhöhnt wird. „Weil ich mir egal bin“ meint natürlich die anderen, verweist aber trotzdem auf jene Grundhaltung, die nichtswürdigstes Rangeschmeiß an die herrschende antinationale Lehre mit eben jenem Schülerzeitungs-Gekicher verbindet, das bei den Witzles über die Lehrer ausbricht, die heute nicht mehr harmlos, sondern rufmörderisch und brutal wären, gäbe es nicht Vertrauenslehrer, die aufpassen, dass die an Deutschlands Gymnasien publizierten „Unterwelten“ nicht unter die Gürtellinie treten.

Die Minima Moralia des Leo Fischer

Dem Kichern haftete schon immer etwas Feiges an, es tritt kollektiv und niemals selbstbewusst auf, sondern vorsichtig und lauernd. Man sondiert das Terrain, stets bereit, bei robustem Widerspruch den Rückzug anzutreten. Im Zweifel hat man es nicht so gemeint, im Zweifel ist man nur eine harmlose Schülergruppe, die im autoritären Aufstand gegen die Lehrer auf Gegner gestoßen ist, die Angst vor ihrer Humorlosigkeit haben. In der Brutalität des losgelassenen Pennälers, der als Verantwortungsträger oder Verlierer in spe rücksichtsloser Entlarver der kleinsten Abweichung in Aussehen, Gestik oder Mode vom geforderten Standard ist, manifestiert sich unbewusst und tastend das Bedürfnis nach Anschluss an eine verbindliche Gewalt, vor der alle kuschen, weil ihren Protagonisten, die zum Beispiel vor der Dar-as-salam-Moschee schon einmal ihr Terrain abstecken, jeder Einspruch gegen ihr Tun egal ist.

Wer sich selber egal ist, hat nichts zu verlieren und kann umso befreiter beim öffentlichen Gekicher über den ins Bild retuschierten braunen Fleck an des Papstes Rückseite oder dem echten dunklen über der Achselhöhle einer nach Bayreuth pilgernden Kanzlerin mittun. Aufs Politische übertragen ermächtigt einen diese Haltung dazu, in einer Bildergalerie zusammen mit den Nazi-Mördern Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos den bayerischen Finanzminister Söder aufzulisten – ohne selbstgebasteltes Geschlechtsteil zwar, wohl aber der Frage nachschürfend, welcher der abgebildeten Nazis der schärfste Stecher sein könnte – oder Michel Houellebecq wegen einer bedenkenswerten Aussage über die Prostitution umstandslos an die Seite der übelsten Djihadisten zu befördern. Wer sich selber egal ist, geht mit der Wahrheit, die eine Autorität ist, noch skrupelloser um als der dicke Gabriel, der sich mit seiner Partei als Holocaustopfer präsentierte und trotzdem in Sachen Planierraupen noch nicht ganz so weit ist wie der Vorsitzende Sonnenborn, der sein deutsches Menschenrecht eben nicht nur Israel, sondern die Juden überhaupt kritisieren zu dürfen eingefordert hatte, was er in einem bemerkenswerten Nachklapp noch einmal dick unterstrichen hat: „Ich entschuldige mich vorbehaltlos für meinen Post zum Thema ‚Sigmar Gabriel in Israel‘. Ich wusste ja nicht, dass Netanjahu Jude ist. Bei ‚Wikipedia‘ steht nichts davon, jedenfalls nicht im ersten Absatz. ZerknirschSmiley“! (3)

Sonneborns schärfster parteiinterner Kritiker, der Spitzenkandidat der PARTEI für den Wahlkreis 2 in Frankfurt am Main, der seit Jahren politisch korrektes Zeug gegen rechts, Rassisten, Sozialdemokraten etc. veröffentlicht und seine Kolumne regelmäßig mit „Leo Fischer klingt heute wie Olaf Scholz, Raed Saleh, Sebastian Kurz etc.“ einleitet, ist noch nicht einmal zu den einfachsten Mitteln der Stilparodie in der Lage. Fischer klingt immer wie Fischer, also so gesinnungstüchtig stramm wie Satire in Deutschland heute überall klingt, wenn sie nicht gerade in Pennäler-Schweinkram pur macht. Die besondere Zutat, welche Die PARTEI solchem Bierernst beimischt, besteht neben der dauernden Anpreisung des Bierkonsums – ein bisschen Unterschichten-Verhöhnung darf nie fehlen – in der manisch kichernden Beschäftigung mit dem, was unter der Gürtellinie, also im Schlübber noch zu „Stande“ kommen kann. Das klingt dann so: „Fast jeden Abend laufe ich ins Bahnhofsviertel, betrinke mich stundenlang und will mit den Damen dann doch nur reden. Schuld hat der Islamismus, dessen Männlichkeit sehr viel härter und größer ist als alles, was wir im alten, dekadenten Europa noch aus dem Schlübber zu ziehen im ‚Stande‘ sind. Wir müssen uns wehren gegen alle Versuche, die Prostitution zu verbieten, auch wenn diese Versuche derzeit nur in meinem Kopf stattfinden. Wir müssen aber auch den Zuzug von islamischen Männlichkeitsmännern bändigen, wenn wir nicht alle Prostituierten an sie verlieren wollen. Wenn Sie mich jetzt entschuldigen wollen, ich muss wieder an die Front, die Grenzen der Männlichkeit schützen. Mit freundlichen Grüßen, Ihr Michel Hooligan.“

Das ist in der Jungle World erschienen, einem Blatt, dessen Leser den wohl höchsten Wähleranteil von Die PARTEI in allen Vergleichsgruppen aufweist. Über den Autor weiß die FAZ: „Wer seine Kolumne in der linken Zeitung Jungle World liest, wo Fischer seine eigenen Minima Moralia verfasst, der kann sich ihn nicht als giggelnden Arztbengel vorstellen. Viele hätten lieber nur die Intellektuellen-Seite von ihm in der Titanic wiedergefunden – und nicht das pubertäre Kichern.“ Dass FAZ-Autoren hinter jedem gemeinschaftsstärkenden Dreck eine Fortschreibung von Adornos Moralhausbuch für die gebildeten Stände vermuten, macht deutlich, dass pubertäres Kichern jederzeit und überall als intellektueller Hooliganismus ausgelebt werden kann, mithin das Problem Die PARTEI weit über den Dunstkreis Neuköllner Szene-Kneipen hinaus virulent ist.

Eine Fatwa gegen den Denunzianten Houellebecq

„Die große Männlichkeit des Islam“ nennt sich das Stück aus den Dschungel-Moralia, das mit dem Versprechen „Leo Fischer klingt heute wie Michel Houellebecq“ angepriesen wurde. Der hatte in seiner Rede zur Entgegennahme des Frank-Schirrmacher-Preises scheinbar nur über die französischen Medien gesagt: „Alle linken Medien, das heißt fast alle französischen Medien befinden sich in einer schwierigen Lage – es fehlen ihnen Leser. Allgemeiner gesprochen, ist die Linke in Frankreich allem Anschein nach dabei zu sterben, ein Prozess, der sich seit dem Amtsantritt von François Hollande noch beschleunigt hat. Aus diesem Grund vor allem ist die Linke immer aggressiver und bösartiger geworden. Es handelt sich um den klassischen Fall des in die Enge getriebenen Tiers, das Todesangst verspürt und gefährlich wird.“ Leute, die in Deutschland bereits via Fernsehen den staatlichen Humor-Markt mitregieren, der ein in die Enge getriebenes linkes Drei-Parteien-Spektrum repräsentiert, das in Schicksalsfragen sich aufs Mittun von CDU/CSU und FDP verlassen kann, einem Spektrum, das immer aggressiver und bösartiger zwischen verantwortungsvollen Staatsbürgern und asozialem, vulgo rassistischem, faschistischem, sexistischem und selbstredend islamophobem „Pack“ trennt und letzteres durch die unterschiedslose Stigmatisierung jeder Islamkritik zu entsorgen sich bemüht, müssen die Urheber solcher schwer bestreitbaren Aussagen über ihre Zukunft als durchaus auch persönliche Feinde, nicht in Todes- wohl aber Existenzangst, wegbeißen. Houellebecq hatte unter Verweis auf einen verstorbenen Freund gesagt, was Fischer natürlich nicht zitiert hat: „Die Bürger werden in einem Zustand fortgesetzter Kindheit gehalten, und der erste Feind, den unsere westliche Gesellschaft versucht auszurotten, ist das männliche Zeitalter, ist die Männlichkeit selbst. In diesem Sinn hat die Entwicklung der französischen Gesellschaft seit Philippe Murays Tod und insbesondere seit der Rückkehr der Sozialisten an die Macht seine Prophetien in atemberaubendem Ausmaß bestätigt – mit einer Rasanz, die ihn selbst, glaube ich, erstaunt hätte. Die Tatsache, dass Frankreich nach Schweden das zweite Land der Welt sein könnte, dass die Kunden von Prostituierten bestraft, das, so glaube ich, wäre selbst Philippe Muray schwergefallen zu glauben, er wäre entsetzt zurückgeschreckt vor der Perspektive. Nicht so früh. Nicht so schnell. Nicht in Frankreich. Die Prostitution abschaffen heißt, eine der Säulen der sozialen Ordnung abzuschaffen. Das heißt, die Ehe unmöglich zu machen. Ohne die Prostitution, die der Ehe als Korrektiv dient, wird die Ehe untergehen und mit ihr die Familie und die gesamte Gesellschaft. Die Prostitution abzuschaffen, das ist für die europäischen Gesellschaften einfach ein Selbstmord.“

Nur in Houellebecqs Kopf und nicht in der europäischen Realität, die in Moralfragen vom sinisteren Schweden angeführt wird, dessen Polizei- und Parteivorsitzende bis heute die dauernden islamisch motivierten Vergewaltigungsdrohungen gegen Frauen und Mädchen genauso wie die islamische Urheberschaft der zahlreich versuchten und vollendeten Taten einfach weg lügen, wird die Abschaffung der Prostitution lauthals gefordert und in Schweden eben auch umgesetzt. Nur im Kopf eines Alkoholikers und skrupellosen Frauenausbeuters, der zugleich wegen längst eingetretener Impotenz mit Prostituierten nur reden wolle, kann sich das monströse Hirngespinst von der Ausrottung des männlichen Zeitalters, der Männlichkeit überhaupt vollziehen, als ob die gepanzerte desexualisierte Schwesternschaft nicht längst im Team der diversen Kommissare Beck und Wallander im skandinavischen Krimi und in Gestalt einer verhärtet antisemitischen und islamophilen Mädchenmannschaft in der schwedischen Links-Regierung Dienst tut. Während die sozialdemokratische Außenministerin Margot Wallström die Ursachen für die islamistischen Terroranschläge vom 13.11.2015 in Paris im Nahost-Konflikt und der schlimmen Lage der Palästinenser sah, also wie die Sonneborn-Partei auch Bedarf nach Bulldozern gegen Israel und nicht etwa Kärcher-Hochdruckreinigern gegen das islamische Mordsgesindel anmeldete, gab ihre Parteigenossin, Handelsministerin Anne Line anlässlich eines Iran-Besuchs, bei dem sie wie ihre Begleiterinnen auch im Februar 2016 brav ein Kopftuch trug, schon einmal einen Vorgeschmack auf ein „Matriarchat“, das inzwischen, wie im Iran schon lange vor Schweden geschehen, die Prostitution verbietet: „Die Delegation der Regierung bestand aus 15 Personen, darunter zwölf Frauen. Der schwedische Botschafter im Iran ist eine Frau. Durch unsere Präsenz im Iran zeigen wir, dass Frauen in der Gesellschaft Führungspositionen haben können.“ (Welt, 13.2.2017)

Lob der gesellschaftlichen Doppelmoral

Der Zustand fortgesetzter Kindheit, der das Wesen des Islam schon immer war, und Houellebecq zufolge das Schicksal Westeuropas sein wird, steht in direktem Zusammenhang mit einer Frauenemanzipation, die jedenfalls das Patriarchat, das es im Islam nie gegeben hat, weil der Begriff nur zum Teil misogyne Männerherrschaft über die Frauen meint, nicht zu fürchten braucht. Der Begriff Patriarchat ist mit einer Idee der selbstbewussten Persönlichkeit verbunden, die ihre Geschicke als Erwachsener, nach dem bestandenen Kampf mit dem Vater und der Emanzipation von der Mutter, nach der Befreiung des eigenen Sexus von der genauso kindlichen wie brutalen All-Sexualität hin zur genitalen Sexualität meistert. Die Frauenemanzipation hat diese unglückliche, weil unter weitgehendem Ausschluss der Frauen vollzogene Männerveranstaltung nicht etwa positiv, sondern regressiv aufgehoben. Die Selbstaufgabe der patriarchalen Männlichkeit als Resultat eines im eigenen Leben gemeisterten Zivilisationsprozesses durch die Männer ist misslungen. Das hat nichts mit der Befreiung der Frauen aus der über sie verhängten Unmündigkeit zu tun, die ja anders hätte verlaufen können als bei schwedischen Linkspolitikerinnen mit ihrem überwältigenden gesellschaftlichen Zuspruch. Der Befreier der Frauen von männlicher Gängelung, also der Mann selbst, hatte ihnen und sich selbst nichts anderes mehr anzubieten als die Befestigung der geschlossenen Zweierbeziehung mit oder ohne Trauschein, als einer asozialen Trutzburg gegen die feindliche Welt draußen, in der beider Triebschicksale auf lebenslängliches Unglück gepolt sind – also nichts anderes als die Ehe in bürgerlichen Zeiten auch – aber gleichberechtigt und verschärft um das Verbot des privilegierten Rückzugsraums des Mannes, des Bordells.

Dass die Abschaffung der Prostitution gesellschaftlichen Selbstmord bedeute, ist gewiss eine gewollte Übertreibung; den in ihr liegenden Wahrheitsgehalt zu leugnen, vermag nur, wer mit schwedischen Linkspolitikerinnen insgeheim paktiert. Der mit dem Schutz der Prostituierten nur mühsam begründete Wunsch nach dem Verbot vermag nicht zu verdecken, dass die käufliche Liebe den Ausbruch aus beengender Zweisamkeit bedeuten kann, vor allem aber Zeichen der Unvollkommenheit der Gesellschaft, mithin auch das Eingeständnis ihrer sexuellen Zwangsmoral ist, der in Form einer genauso bekämpften wie stillschweigend tolerierten Doppelmoral ein Teil ihrer Grausamkeit genommen wurde – wenn auch zumeist nur für die Männer. Wäre diese Doppelmoral, was intendiert ist, endgültig beseitigt, blieben die aufs nicht zu brechende Sittengesetz eingeschworenen Einzelnen in einer totalitären Welt unter sich, die jede Abweichung mit drakonischen Strafen für zum Beispiel die Freier beantwortet. Diese drakonischen Strafen sind anderswo längst Bestandteil der egalitären Bespaßung durch einen Staat, der als Versöhnung mit dem Verzicht aufs Erwachsenwerden und damit auch die Lust Brüder- und Schwesterlichkeit hochhält, die fortgesetzte Kindheit also, von der man aus der islamischen Welt, wo sie die Gesellschaften prägt, wissen könnte, welche Monstrositäten die ewigen Kinder, deren männliche Abteilung sich als islamische Männlichkeitsmänner im Kampf gegen Schlampen überall drohend in Szene setzt, jederzeit anzurichten in der Lage ist. Wer wie Houellebecq das Verhängnis benennt, wird vorläufig noch erfolglos als gemeinschaftsstörender Hooligan weggekichert. Das kann sich ändern.

Die Humor-Konkurrenz schläft nicht

Eine Partei, die zu Ehren ihres Mitglieds Tom Hintners als Jugendorganisation seit 2005 eine „Hintner-Jugend“ präsentiert und den PETA-Unterstützer Mark Benecke 2015 in Köln als Bürgermeisterkandidaten ins Rennen schickte – und dafür 7,22 Prozent der abgegeben Stimmen kassierte –, musste irgendwann aufs deutscheste aller Ressentiments, das links und rechts Islamisten und Atheisten eint, verfallen, das im schlichten „wir lügen besser“ genauso ausgedrückt ist, wie im volkstümlichen „FIcki-FAacki – Kicker Kacki“ (die Anfangsbuchstaben von Ficki und Facki sind groß geschrieben, damit FIFA herauskommt). Alle lügen, alle folgen einer zynischen Doppelmoral; wir entlarven sie, unser ficki facki ist nicht nur Ausdruck unwiderstehlich guter Laune, sondern auch des unbestechlich kritischen Blicks auf einen seelenlosen Kapitalismus, den sie offensichtlich mit der Werbebranche verwechseln, die sie umso mehr hassen müssen, je mehr die eigene Produktion ihr gleicht. Doch bei der Entlarvung der Lügen im Wahlkampf durch die Systemparteien ist der PARTEI schon anonyme Konkurrenz erwachsen. In Berlin z.B. wurden auf Wahlplakate gerne selbstgefertigte Aufkleber mit dem Satz „Wir werden euch weiter belügen“ angebracht.

Wer sich wie die PARTEIgenossen dem antinationalen Konsens bis zur Ununterscheidbarkeit angeglichen hat und Witze vorwiegend über zu public enemies aufgeblasene Unsympathen wie Alexander Gauland reißt, der reibt sich die Augen, wenn er feststellt, dass die Konkurrenz nicht schläft, und der Fernsehsatiriker Böhmermann mit einem kleinen, aber gelungenen Erdoğangedicht alles in den Schatten stellte, was sie je zustande gebracht haben. Während Böhmermann mit seinem Ziegenfickergedicht auf Theo van Gogh rekurrierte, den großen Islamkritiker also, der eine Fatwa von Ayatollah Khomeini aufgegriffen hat, in der dieser sich mit der Frage zu beschäftigen hatte, ob und wenn ja wer das Fleisch einer Ziege, die zu sodomitischen Zwecken gebraucht worden war, verzehren dürfe – also via van Gogh, von dem das Wort „Ziegenficker des Propheten“ stammt, ins Zentrum des islamischen Lustverbots vorgestoßen ist und deshalb weit mehr als eine unlustige Alberei zustande gebracht hat, stümpern jene, die sich als linke Tabubrecher wähnen und doch nur die Leitartikel der Süddeutschen Zeitung mit den Mitteln der Zote oder der Gewaltphantasie ins Humordeutsche übersetzen, auf niedrigstem handwerklichen Niveau die Witze zusammen, die nach dem dritten Bier jede linke Kneipenkumpanei ganz ohne Mitgliedschaft in der PARTEI locker zu Stande bringt.

Was eine linke Kneipen-Clique kann, schafft die Werbebranche inzwischen mit links, und das Unternehmen Die PARTEI / Titanic sieht fassungslos seine Felle auch dort wegschwimmen, wo es als unnachahmbare Kicher-Kumpanei ein Alleinstellungsmerkmal vermutete. Manche Vertreter der deutschen Schwulenbewegung, die nach dem trotz allem richtigen Ehe-für-Alle-Beschluss am Ende ihrer Emanzipation und damit genauso gescheitert da steht wie die Frauenbewegung schon seit vielen Jahren, wackeln umso vehementer mit den eigenen Ärschen, als wäre da noch etwas Besonderes, das sie dem angepassten Rest voraushätten. Eine peinliche Bespaßung für neu in Berlin angekommene Jungle-World-Leser und andere vorwiegend heterosexuelle Studentinnen und Studenten, die am 5. August 2017 als Trümmertuntennacht im Schwulen Zentrum in Neukölln stattgefunden hat, mag das verdeutlichen. Dort hat der sonst doch recht vernünftige Autor und Herausgeber Patsy L’amour LaLove als Drag Queen ein Dutzend weitere mit Perücken und Dessous ausgestattete Männer, die zum Tunten-Contest angetreten sind, mit heiteren Zurufen wie „Flatter Lenzia, du geile Sau“ (oder Polly Puller oder Betty BücKse) begrüßt und als politischen Starter die „homophilen Ergüsse“ des Direktkandidaten der PARTEI für den Wahlkreis Frankfurt 2 angepriesen, ohne überspielen zu können, dass er mit dergleichen Bemühungen um erotische Schwüle, Lasterhaftigkeit und Tabubruch panisch und erfolglos gegen eine öffentliche Meinung ankämpft, der seine und seiner Mitstreiter sexuelle Präferenz als identitärer Ausdruck von Konformität, Leistungsbereitschaft und Teamfähigkeit gilt.

Was BZ-Lesern, die so gerne Schwulenparaden anschauen, so gefällt und dem Leitartikler der FAZ als Drohkulisse gegen Minderleister dient, der enorme gesellschaftliche Zuspruch, den Homosexualität gerade erfährt (über die zunehmende und handfeste islamische Homophobie redet man nicht), ist inzwischen auch in der Fruchtsaftbranche angekommen, wo die Firma True Fruits so fröhlich schwul und unangepasst herumschweinert wie sonst nur Patsy und Leo im SchwuZ, weshalb bereits im Oktober 2016 eigens eine intellektuell tiefschürfende Humorkritik gegen „Wichsige Werbung“ im Zentralorgan von Die PARTEI erschienen ist. Als ob nicht alles aus dem Umfeld des eigenen Blatts und seiner Partei stammte, erklärt der Autor angewidert: „Wenn ich nun aber per Slogans wie ‚Bei Samenstau schütteln‘, ‚Oralverzehr: Schneller kommst Du nicht zum Samengenuss‘ oder ‚Besamt & befruchtet‘ zum Verzehr eines mit Chiasamen versetzten Smoothies aufgefordert werde, kann ich über die wichsige Frechheit nicht lachen.“ Wieso kann er, der so gerne mit dem Fischer aus Leberwurst ein männliches Geschlechtsteil bastelt, es mit einem Bild von Markus Söder garniert und zusammen mit der ganzen Redaktion darüber in juveniles Gekicher ausbricht, über das Gewichse von der Konkurrenz aus der Werbebranche nicht lachen?

„Weswegen aber?“ fragt er sich selber und erklärt es seiner stets fröhlichen Männerkumpanei in genau ihrem Fruchtsaft-Ton: „Man müsste ja eigentlich meinen, ich sollte mich nicht über sexuelle Anspielungen und Kalauer erregen (höhö), veröffentliche ich doch meine Ergüsse (hoho) in einem Blatt, das sich für keine Entblößung schämt (hehe) und keine Gelegenheit auslässt (kicher), um fickibumsiblablabla. Nun ja, will sagen: Es ist zum einen einfach, mit Zweideutigem Aufmerksamkeit zu erzeugen, das Komik zum Verwechseln ähnlich sieht. Zum anderen ist es mir nicht gleich, zu welchem Zweck es eingesetzt wird.“ Also was jetzt? Die täglich auf Plakaten der PARTEI und in den Spalten der Titanic mit allen hohos und höhös präsentierten Schweinigeleien sind nicht komisch, sondern geben nur vor, es zu sein? Oder ist es nur dann erlaubt, als Komiker auf die Komik zu verzichten und Latrinenhumor zu betreiben, wenn es einem höheren Zweck als dem schnöden Verkaufsinteresse dient? „Ja, ich möchte noch weitergehen: es ist die zwar nicht neue, aber nun alle Schamgrenzen für erledigt erklärende Ulkigkeit für den schnöden Zweck, diese Beschmutzung einer guten Profession, des Witze- und Possenreißens, durch ihre Unterordnung unter den Verkaufszweck, die dafür sorgt, dass mir das Sperma im Halse stecken bleibt.“ [Hervorhebungen J.W.] Man merkt, jetzt wird es tiefgründig, jetzt kommt die Aufklärung darüber, was richtigen Humor vom falschen unterscheidet: „Denn in dieser Welt adelt der Verkaufszweck auch die Zote – steht sie aber nackt, scheinbar zwecklos, dann ist sie von schlechtem Geschmack, denn wo käme man mit bloßem pubertären Altherrenvergnügen hin, wenn es nicht mindestens Konsum und Kaufkraft fördert? In eine vergnüglichere Welt am Ende?“ Tusch, es ist heraus. Früher hätte man von einer „sittlich geläuterten“ Welt gesprochen, der man mit Zoten-Verboten auf die Sprünge helfen wollte. Heute tut’s die Anrufung einer „vergnüglicheren Welt“, die als Materialisierung des jedenfalls konsumfreien Traums von einer Sache zotig gefeiert wird, die man sich als die widerspruchsfreie Herrschaft des generationsübergreifenden pubertären und häufig genug vorpubertären Vergnügens mit Pipi und Furzi vorstellen muss. Der Kampf für dieses Ende der Geschichte muss vorläufig noch mit derben Mitteln geführt werden, zu denen die Befeuerung des islamischen Massenmords – als Hausmarke sozusagen – jederzeit gehört.

Weniger Skyline mit den Muslimbrüdern

Wie man von True Fruits mit seinem angeschwulten Fruchtsaft-Angebot zum Autovermieter Sixt kommt und was das mit der Unterscheidung von Komik und ihres ihr zum Verwechseln ähnlich sehenden Missbrauchs zu tun hat, dieses eigentliche Betriebsgeheimnis einer absolut talentlosen juvenilen Kicherer-Truppe sei hiermit gelüftet: Auf Seite 3 der Titanic vom August 2016 wurde eine gefakte Werbeanzeige, die im typischem Sixt-Look schwarz-orange gehalten war, abgedruckt. Zu sehen ist ein Foto des zerschossenen weißen Lastwagens, mit dem der Massenmörder in Nizza am 14.7.2016 in eine Menschenmenge gerast ist und mindestens 86 Menschen getötet hat. Darunter steht der Slogan „Für alle, die gerne Menschen bewegen. (Günstige Mietwagen, auch in Nizza: sixt.de)“.

Dazu zwei Monate und eine gerichtliche Unterlassungserklärung später die Humorkritik der Spaß-Täter, in der es doch eigentlich gegen die Firma True fruits ging: „Es wird hier nach dem gleichen Prinzip vorgegangen wie bei der Firma Sixt, die auf eine Unterlassung einer Anzeigenparodie in Titanic klagte. Für die schnelle Aufmerksamkeit bedient sich Sixt gerne satirischer Methoden, nicht selten sexistischer und rassistischer Motive, zahlt auch mal aus der großen Kasse Beleidigte aus, solange darüber kostenlos berichtet, also: für sie geworben wird. Wenn aber einmal die Mietwagenfirma mit ihren eigenen Methoden in einen Nachrichtenkontext gesetzt wird, der wirklich zu ihrem Geschäft passt, nämlich dem per Miet-Lkw begangenen Massenmord von Nizza, dann hört der Spaß natürlich auf. Gag sells. Mehr als ein Verkäufer darf er aber nicht sein.“ Autovermietung hat mit Massenmord nur so viel zu tun, dass Massenmörder Autos als Tatwerkzeuge mieten können. Die Firma Sixt hat niemals mit Mord, geschweige denn Massenmord – egal gegen wen – geworben. Sie hat nur getan, was der deutschen Satirefront das Leben kosten könnte, nämlich sich bis zur Unverwechselbarkeit deren lustiger Methoden bedient und das auch noch, man glaubt es kaum, zu Werbezwecken. Die Firma Sixt war nämlich schon einen Schritt voraus und hat Titanic bereits im Mai 2016 die politisch absolut korrekte, nämlich garantiert antirassistische und antifaschistische Witzvorlage mit Lkw geliefert. „Für alle, die einen Gauland in der Nachbarschaft haben“ heißt es über dessen Portrait und drunter: „Jetzt einen günstigen Umzugs-Lkw mieten.“ Diese Retourkutsche auf Gaulands Einlassungen zum Nachbarn Boateng diente den Blamierten zur grenzenlos gewalttätigen Nutzbarmachung via Titanic zwei Monate später. In schärfster Konkurrenz zu einem Gegner, der mit den gleichen satirischen Methoden auf dem Markt reüssiert, löste man in seiner Existenzangst, angeblich gegen das Marketing käuflicher Produkte gerichtet, in Wirklichkeit um die Deutungshoheit darüber, zu welchem Zweck Satire allein bestehen dürfe, ringend, nicht mehr nur juveniles Gekicher, sondern in diesem Fall zwangsläufig auch röhrendes Gelächter über 86 grausam Ermordete aus.

Die Beweisführung der Titanic-Humorkritik gegen die Werbebranche endet vom Beschluss eines deutschen Gerichts unbeeindruckt so: „Lassen Sie es einen in diesem Fall wütenden alten Mann einmal so sagen bzw. poltern: Werbung ist letztlich nur penetrantes Gewichse. Glauben Sie nicht? Dann schlucken Sie diese Zeilen, die sich auf den Smoothie-Flaschen befinden: ‚Meine Samen und Herren, wir bitten um Ihre Aufmerksamenkeit! Das ist unser neuer bedeutsamener Chia yellow. Aber seien Sie achtsamen: Die Chiasamen können sich in Ihren Zähnen samenln. Er wäre ratsamen, Ihre Zähne sorgsamen zu reinigen.’“ Soll heißen: True fruits heiß jetzt Sixt und alle Werbung ist haram, deshalb schloss diese Humorkritik konsequent mit einem Stoßseufzer: „Man möchte mit einem Lkw in eine True-Fruits-Fabrik rasen!“

Man kennt diese als Stoßseufzer getarnten Vernichtungsphantasien, für deren Realisierung andere schon gesorgt haben und weiter sorgen werden. Unmittelbar nach dem 11.9.2001 fanden viele, auch antideutsche Linke, nichts daran auszusetzen, dass die „Kommandos der bewaffneten Architekturkritik“, wie Wiglaf Droste einige Monate danach durchaus konsensual und kichernd anmerkte, als die Vorboten einer bewaffneten Kapitalismus- und damit ja auch Werbungskritik in die Twin Towers flogen und man höchstens den Putzfrauen, die womöglich neben den Bankern und Immobilienhaien, denen es recht geschehen ist, ihr Leben ließen, ein wenig Mitleid schenkte – als bedauernswerten Kollateralschäden also. Droste arbeitet bei der offen antiimperialistischen Konkurrenz, aber mit Wolkenkratzern können auch die Funktionäre der deutschen Spaßpartei aufwarten, die 2004 in Frankfurt gegründet wurde. Den Spruch „Weniger Skyline mit den Muslimbrüdern“ illustrierte Die PARTEI Hessen im März 2011 mit den intakten Twin-Towers, aber einem in den Tod stürzenden Menschen und davor zwei grinsenden Partei-Mitgliedern mit schwierigen Namen und möglicherweise Migrationshintergrund aus einem mehrheitlich moslemischen Land. Der Zusatz zu Rückversicherungszwecken auf dem gleichen Plakat, „wir integrieren alles“, vermag nicht mehr zu übertünchen, dass die Urheber unter Integration das kulturübergreifende hämische Gelächter von Muslimbrüdern und zynischen Deutschen über einen antiimperialistischen Massenmord verstehen. Das hat den Genossen in Nordrhein Westfalen so gut gefallen, dass sie das Motiv unter dem Vermerk „Die PARTEI NRW hat Die PARTEI Hessens Foto geteilt“ auf Facebook stellten: am 11.9.2011.

Im ehrenden Gedenken an Stéphane Charbonnier, Jean Cabut, Georges Wolinski, Moustapha Ourrad und den acht anderen ermordeten Genossen von Charlie Hebdo, in Solidarität mit Ilknur und Şebnem Demir aus Neukölln und ohne jede Empathie mit dem Herren über die deutschen Burka-Moden, dem Vorsitzenden Aiman Mazyek und seinen Brüdern und Schwestern, fordere ich alle Hörer dieses Vortrags und alle Leser der verschriftlichten Fassung auf, ohne Angst vor der eigenen Humorlosigkeit alles in ihrer Macht stehende zu unternehmen, den Herren Tim Wolff, Martin Sonneborn, Leo Fischer und ihren zahlreichen kichernden Claqueuren das lustige Leben und Wirken gründlich zu versauern.

Justus Wertmüller (Bahamas 77/2017)