"No Germans, no Holocaust" (1)

Zur Kritik von Daniel Jonah Goldhagen: Hitler’s Willing Executioners

Selten hat ein Buch in Deutschland in den letzten Jahren so spontanes und einhelliges Ressentiment hervorgerufen wie Daniel Jonah Goldhagens "Hitler’s willing Executioners. Ordinary Germans and the Holocaust". Ein Jahr nachdem die Nation im Vorfeld des 8. Mai 1995 ein letztes Mal pflichtschuldig Betroffenheit über die "im deutschen Namen" begangenen Verbrechen demonstrierte, zeigt sich der Sinn der Aktion: Nicht nur der Holocaust, auch dessen "Bewältigung" ist Sache der Deutschen. "Intention" und "Struktur", der Nationalsozialismus als Modernisierungsfaktor und/oder Reaktion auf eine "asiatische Tat" – seit den 60er Jahren wurde die Geschichtsschreibung des NS"in großem Maße davon geprägt [...], was westdeutsche Historiker als ihre Aufgabe bei der Bildung des ,politischen Bewußtseins‘ und der Überwindung der Vergangenheit ansahen." (2)

Der Fleiß hat seinen Preis: Die deutsche Fachwelt verbittet sich ausländische Interventionen in die routinierte "Aufarbeitung" des Holocaust, die über den von ihr vorgegebenen Rahmen hinausgehen. So schreibt Eberhard Jäckel, Spezialist für Hitler-Tagebücher, fachlicher Berater der Fernsehserie "Hitler heute" und Mitinitiator der geplanten Berliner Holocaust-Gedenkstätte: "Goldhagens Buch [...] ist einfach schlecht. Ich sage das mit Bedauern. Denn ich habe den Verfasser als einen intelligenten, sympathischen jungen Mann in Erinnerung. [...] Er erzählte mir, er bereite eine Doktorarbeit über die Anfänge der Erschießungen in der Sowjetunion vor. Das war ein gutes Thema. [...] Wir hatten sehr intensive Gespräche. Dann scheint ihm seine Frage nicht genügt zu haben, und das führte ihn auf Abwege." (3) Die paternalistische Geste ist noch freundlich im Vergleich zu den Phantasien der deutschen Publizistik über die "jüdische Rache" des "Henkers" Goldhagen. (4) Der zentrale Anklagepunkt gegen den amerikanischen Autor lautet: "Goldhagen aber eröffnet noch einmal die Debatte über eine kollektive Schuld [...] der Deutschen. [...] Goldhagen hat recht, wenn er auch für das vorige Jahrhundert unglaublichen Rassismus in Deutschland ortet. Aber er teilt diesen Irrwahn einer kollektiven Verurteilung in seinem Verdikt über die Deutschen." (5) Das sei längst überholter Forschungsstand der 50er Jahre und doch gerade das, was "deutsche Historiker [...] seit Jahren und Jahrzehnten" (6) gezeigt hätten. Wie geht das zusammen?

Die Behauptung, die (West-)Deutschen hätten sich in den 50er Jahren hauptsächlich mit der Produktion und dem Konsum von "Belehrungs- und Selbstbezichtigungsliteratur" (7) befaßt, wird auch dadurch nicht wahrer, daß der Konsens über diesen "Fakt" von den Deutschnationalen bis zu den Antiimps (8) reicht. Der gebetsmühlenhaft vorgetragene Vorwurf des Rückfalls in die frühe Nachkriegszeit verweist unausgesprochen auf etwas anderes: auf die bitteren Jahre, als die Wiedererlangung einer gesamtdeutschen Souveränität in unerreichbare Ferne gerückt zu sein schien; und auf das nationale Versagen der deutschen Historiker, die gerade mit ihren durch und durch apologetischen Werken über den NS und die deutsche Nation im Ausland keinen Anklang fanden.

Deutschland braucht Auschwitz

Um die Definitionsmacht auf diesem Gebiet zurückzuerobern, bedurfte es einer neuen Generation liberaler deutscher Historiker, die sich, ursprünglich sogar meistens mit antifaschistischen Intentionen, seit den 60er Jahren gegen die Plattheiten der "old school" verwahrten. Der Holocaust wurde in die bundesdeutsche Identität eingemeindet. Spätestens im Historikerstreit sollte sich die nationalpädagogische Nützlichkeit dieser progressiven Geschichtspolitik beweisen. Gegen die Versuche rechtskonservativer Geschichtsklitterung setzte Habermas konsequent die nationale Identität wegen Auschwitz, die sich auch nach 1989 als brauchbar erwiesen hat: "Nach Auschwitz können wir nationales Selbstbewußtsein allein aus den besseren Traditionen unserer nicht unbesehen, sondern kritisch angeeigneten Geschichte schöpfen. Wir können einen nationalen Lebenszusammenhang, der einmal eine unvergleichliche Versehrung der Substanz menschlicher Zusammengehörigkeit zugelassen hat, einzig im Lichte von solchen Traditionen fortbilden, die einem durch die moralische Katastrophe belehrten, ja argwöhnischen Blick standhalten." (9) Je düsterer das Bild der "vormodernen" Erblasten der deutschen Geschichte gezeichnet wurde, umso heller erstrahlte die in die "westliche Wertegemeinschaft" aufgenommene Bundesrepublik. Es kann deshalb nur auf den ersten Blick verwundern, daß die wüstesten Polemiken gegen Goldhagen gerade von liberalen Historikern und Publizisten kommen. Sie sehen die mühsam erlangte Souveränität über die Interpretation der deutschen Geschichte bedroht.

In der Würdigung, die ein Reinhard Kühnl dem "besseren Deutschland" (beginnend mit Thomas Müntzer) angedeihen läßt, zeigt sich hingegen der endgültige Bankrott der akademischen Volksfrontstrategie. Für ihn ist die "Kritik von Mommsen, Jäckel und Wehler" schon deshalb berechtigt, weil diese "im Historikerstreit 1986 nicht zufällig auf der Seite der liberalen und linken Kritiker [der Rechtskonservativen] standen". In Goldhagens Thesen sieht er eine Bedrohung der "sozialistischen und antifaschistischen Kräfte und Traditionen" (10) und schließt sich damit (gewollt oder ungewollt) einer Geschichtspolitik an, die "vereinzelte [...] und von der großen Mehrheit der Deutschen damals zu Tode gehetzte Menschen dazu benutzt, das Deutschlandbild aufzupolieren." (11)

Goldhagen fragt sich, wie "ordinary germans" im Nationalsozialismus zu Massenmördern wurden. Einige der herkömmlichen Vermutungen über die Täter und ihre Motive (es war nur eine "kleine Clique" von Sadisten und/oder Karrieristen, "Befehlsnotstand", der Gruppendruck in der Truppe, Indifferenz und Obrigkeitshörigkeit) hält er für unzureichend oder lehnt sie ab. Sie alle können die subjektive Motivation der Täter nicht erklären. Es sei deshalb notwendig, "to reveal something of the perpetrators’ backgrounds, to convey the character and quality of their lives as genocidal killers, to bring life to their Lebenswelt." (S. 7) Das spontane, willige Mitmachen, der praktisch nichtexistente Widerstand gegen den Holocaust lasse nur die Ausgangsthese zu, die Mehrheit der Deutschen habe zumindest in puncto Antisemitismus die nationalsozialistische Ideologie geteilt und die Judenverfolgung aktiv befürwortet oder zumindest nicht als Unrecht gesehen.

Da die Nazis es "versäumten", die Volksgenossen über ihre antisemitischen Einstellungen zu befragen (Elisabeth Noelle-Neumann schrieb damals noch Artikel für Goebbels’ Zeitschrift "Das Reich"), kann Goldhagen seine These nur anhand der Untersuchung exemplarischer Fallbeispiele überprüfen, für die Dokumente vorhanden sind.

Im Zentrum seiner Studie steht deshalb die Analyse dreier "Institutionen" des Holocaust und ihrer Akteure: Polizeibataillone, "Arbeits"lager und die Todesmärsche am Ende des Krieges. Sie interessieren ihn, weil hier die "conventional explanations" über die Motivationen der Täter nicht greifen: Die Polizeibataillone bestanden nicht aus Nazi-Fanatikern, sondern aus einem willkürlich zusammengestellten Durchschnitt der Bevölkerung. Sie waren keine Schreibtischtäter, die sich hinter "Strukturen" hätten verstecken können, sondern Teilnehmer an Massenexekutionen. Sie brauchten keine besondere ideologische Schulung, um sich ohne Zögern an der "Endlösung der Judenfrage" zu beteiligen. "The Germans appear to have learned that, contrary to their original expectations, easing the men into genocidal killing was not necessary." (S. 276) Viele hatten die Möglichkeit, straflos die Teilnahme an den Mordaktionen zu verweigern – kaum jemand tat es. Sie waren in anderen Situationen durchaus in der Lage, aus moralischen Gründen gegen Befehle zu rebellieren – doch gab es über die Legitimität des antisemitischen Vernichtungsprogramms offensichtlich kaum einen Dissens.

Auch die von Goldhagen dokumentierten "Todesmärsche", die Evakuierung der KZ-Häftlinge nach Westen kurz vor Kriegsende, zeigen den unbedingten antisemitischen Vernichtungswillen des deutschen Wachpersonals (das wiederum mehrheitlich nicht aus SS-Leuten, sondern aus "ordinary germans" bestand). Inmitten der Auflösung des NS-Systems errichtete dieses Wachpersonal noch einmal eine rassistisch gegliederte Hierarchie, die von z.T. als Helfern eingesetzten deutschen Häftlingen über die schlechter behandelten nichtjüdischen Osteuropäer bis zu den Juden reichte, deren Terrorisierung nur den Schluß zuläßt, daß hier buchstäblich bis zum letzten Tag (der letzte Todesmarsch begann am 7. Mai 1945) die "Endlösung" exekutiert werden sollte. "The Germans chose to act as they did with no effectual supervision, guided only by their own comprehension of the world, by their own notions of justice, and in contradistinction to their own interests in avoiding capture with blood on their hands." (S. 369)

Die deutsche Medienöffentlichkeit, die selbst am liebsten im Pluralis majestatis spricht, wirft Goldhagen vor, daß er deutsche Täter "Deutsche" nennt und damit ein "quasirassistisches" Verdikt (Hans-Ulrich Wehler) über die Nation verhängt habe. Schwerer wiegt jedoch, daß Goldhagen den Antisemitismus als konstitutives Element der deutschen Nationsbildung beschreibt und die Frage offenläßt, ob es sich beim Nationalsozialismus wirklich um einen auf vormodernen Altlasten beruhenden Betriebsunfall der deutschen Geschichte gehandelt hat.

Ohne Zweifel trifft Goldhagens inhaltliche Beschreibung der antisemitischen Denkmuster in vielen Punkten den Kern der Sache. Das Bild der jüdischen "Gegenrasse", die sich nicht nur parasitär am "Wirtsvolk" nährt, sondern damit dieses auch zu zersetzen trachtet, ist ebenso zentral für das nationalsozialistische Denken, wie das Bestreben, diese "Gefahr" zu eliminieren, seine notwendige Konsequenz sind. So richtig die Beschreibungen auch sein mögen, sie vermögen nicht zu erhellen, welchen theoretischen Stellenwert diese Muster für Goldhagens Antisemitismusbegriff besitzen.

Der Begriff Antisemitismus bei Goldhagen

Dabei zeigt sich im Wesentlichen eines: sie sind Goldhagens Antisemitismusbegriff. Antisemitismus gilt ihm als "kognitives Muster" (S. 45), als kulturelles Axiom, in dem sich Ansichten und Wertungen zu einer stabilen Struktur verdichten. Dieses Muster wird auf der sprachlichen und symbolischen Ebene, im Bereich der gesellschaftlichen "conversation" produziert und reproduziert. Es liegt in erster Linie deswegen vor, weil es schon immer vorgelegen hat. Dem unterliegt ein wissenssoziologischer Ansatz, der von einem autonomen Subjekt ausgeht, das seiner Objektwelt gegenübersteht und sie mit Hilfe teils vorgefundener, teils neugeschaffener Schablonen interpretiert.

Weil das Subjekt dieser Auffassung schon von vornherein fix und fertig vorliegt, bedarf es keines Nachdenkens mehr über die Funktion, die "kognitive Muster" wie Antisemitismus für die Subjektkonstitution erfüllt, eine solche Konstitution findet dann ja gar nicht statt. Weil das Subjekt mit seiner Gesellschaft primär in einem "linguistischen und symbolischen" Verhältnis steht, muß mit dieser Auffassung die Rolle, die der Antisemitismus im Prozeß der Vergesellschaftung spielt, nicht definiert werden. Ein solcher Prozeß gerät überhaupt nicht ins Blickfeld. Wer einräumt, daß das Subjekt das kulturelle Axiom Antisemitismus zwar praktiziere, ihm aber sonst äußerlich gegenüberstehe, braucht sich nicht weiter für dessen Genese zu interessieren, sie erschöpft sich ihm in der Tradition des bereits vorliegenden Musters.

Konsequenterweise vertritt Goldhagen explizit die These von der Kontinuität antisemitischer Vorstellungen, wonach zwischen dem mittelalterlichen Antijudaismus und dem modernen Antisemitismus kein grundsätzlicher Unterschied bestehe. Goldhagen spezifiziert dies dahingehend, daß sich seit dem Mittelalter zwar der Inhalt des kognitiven Musters Antisemitismus geändert habe, nicht aber das Muster selbst (S. 53). Da sich ihm das Muster in seinem Inhalt erschöpft, bleibt als Kontinuum lediglich der Begriff Antisemitismus, bar jeder Bestimmung, zurück. Die Evolution des Antisemitismus, die Goldhagen schildert, findet so ausschließlich auf der phänomenologischen Ebene statt. Den ökonomischen, politischen und sozialen Entwicklungen, vor deren Hintergrund sich Antisemitismus herausbildet und verändert, schenkt er kaum Beachtung. Völlig ungeklärt bleibt etwa der Umstand, daß sich Goldhagens Untersuchungsgegenstand unter der Hand geographisch zuspitzt: geht es im Mittelalter noch um den gesamten europäischen, nämlich christlichen Raum, so handelt es sich in der Neuzeit nur noch um Deutschland (S. 53). Ist dies die pure Willkür des Autors, ein notdürftig kaschierter Erklärungsnotstand oder vielleicht doch das Resultat einer unreflektierten historischen Entwicklung?

Trotz alledem bringt die phänomenologische Antisemitismustheorie Goldhagens Elemente zum Vorschein, die über seinen eigenen Ansatz hinausweisen, ohne daß dies dem Autor bewußt geworden zu sein scheint. Goldhagen erkennt die Zentralität des "Volks"-Begriffs für die antisemitische Ideologie und ihr gegenseitiges Aufeinanderverwiesensein. "The foundational concept for German popular political thought, the Volk, was conceptually linked to, and partly dependent upon, a definition of Jews as the Volk’s antithesis." (S. 77) Ohne Antisemitismus ist das deutsche "Volk" nicht zu haben. Allerdings sieht er die Spezifik des deutschen Volksbegriffs ausschließlich darin, daß er rassistisch gefaßt ist. Welche gesellschaftliche Konzeption dem Begriff sowohl in seiner biologistischen, als auch in seiner kulturalistischen Variante zugrundeliegt, bleibt im Dunkeln.

Goldhagen betont, daß die Besonderheit des deutschen Antisemitismus in seiner Umsetzung in staatlich organisierte Praxis liegt. "Whatever the antisemitic traditions were in other European countries, it was only in Germany that an openly and rabidly antisemitic movement came to power [...] that was bent upon turning antisemitic fantasy into state-organized genocidal slaughter. This alone ensured that German antisemitism would have qualitatively different consequences from the antisemitism of other countries [...]." (S. 419) Wie ein Staat beschaffen sein muß, der antisemitische Ideologie in Vernichtungspraxis zu transformieren imstande ist, darüber ist bei ihm jedoch wiederum nichts zu erfahren.

Goldhagen weist schließlich auch darauf hin, daß sich der Antisemitismus die Juden nicht nur als faul und parasitär imaginiert, sondern als "antithesis of productive work" (S. 284). Der qualitative Unterschied zwischen dem Lutherschen Axiom des schmarotzerischen Juden und der nationalsozialistischen Identifizierung von "Judentum" und (ökonomischer) Ausbeutung scheint ihm allerdings nicht aufzufallen. Demzufolge stellt sich ihm auch nicht die Frage, was diese Identifizierung zu bedeuten hat.

Wie großzügig Goldhagen Erklärungsmöglichkeiten verschenkt, wird in dem kurzen Kapitel besonders deutlich, das den Titel "Jewish ,Work‘ Is Annihilation" trägt. Goldhagen stellt, unter anderem gegen Aly/Heim und Hans Mommsen, ganz richtig fest, daß die nationalsozialistische Judenpolitik keineswegs den Gesetzen kapitalistischer Rationalität gefolgt ist, die ja ansonsten durchaus Geltung behielten. Wenn die Nazis Juden zur Arbeit zwangen, dann war das Ziel nicht Verwertung, sondern Vernichtung. "In its essence, Jewish ,work‘ was not work in an ordinary sense of ,work‘, but a suspended form of death – in other words, it was death itself." (S. 323) Ebenso zutreffend ist die Beobachtung, daß den Juden nicht nur der Vorwurf gemacht würde, sie würden keine produktive Arbeit verrichten (und doch in Saus und Braus leben), sondern daß sie im Begriff des "Ausbeuters" dieser Idee der produktiven Arbeit förmlich entgegengesetzt wurden. Die offensichtliche Widersprüchlichkeit des nationalsozialistischen Arbeitsbegriffs hätte durchaus Goldhagens Aufmerksamkeit verdient.

Anstatt nun aber von den Begriffen "Ausbeutung" und "(produktive) Arbeit" aus über den rein kognitiven Bereich hinauszugelangen, anstatt sich das Kapitalverhältnis einmal aus der Nähe zu betrachten, dessen Logik der Antisemitismus nicht mehr zu folgen scheint, anstatt die so diametral entgegengesetzten Begriffe von Verwertung und Vernichtung einmal tatsächlich ins Verhältnis zu setzen, beschränkt sich Goldhagen darauf, aus der Darstellung jüdischer "Arbeit" im nationalsozialistischen Lager das zugrundeliegende "cognitive framework" (S. 319) herauszudestillieren. So kann er zwar einige Annahmen über die subjektive Einstellungen der Deutschen und über die Situation der Juden in den Ghettos und Arbeitslagern formulieren, bleibt aber die Antwort darauf schuldig, welcher Logik diese Einstellungen folgen, und das an einer Stelle, wo sie sozusagen zum Greifen nahe liegt.

Spätestens beim Begriff der "Arbeit" hätte Goldhagen sich fragen müssen, welche Rolle diese Kategorie denn außerhalb der antisemitischen Denkformen spielt und weshalb sie der antisemitischen Kategorie "Jude" antagonistisch gegenübergestellt wird. Unter kapitalistischen Bedingungen ist die Arbeitskraft exakt das Bindeglied zwischen Einzelsubjekten und Gesellschaft. "Die Arbeitskraft vermittelt den Materialismus des einzelnen mit dem Materialismus des Kapitals." (12) Arbeit hat im Kapitalismus nichts mit Selbstverwirklichung zu tun, nicht einmal mit "Selbst-": im kapitalen Verwertungsprozeß ist von einem autonomen Subjekt nichts mehr zu sehen. Das ideologische Moment des antisemitischen Begriffs der "Arbeit" liegt also nicht erst in dem Umstand, daß er einer angeblichen jüdischen Anti-Arbeit gegenübergestellt wird, sondern in der Konsistenz der Kategorie selbst.

Verwertung oder Tod

Ihre Schlüsselstellung im Kapitalverhältnis verdankt die Arbeitskraft bekanntlich der Fähigkeit, Wert zu produzieren. Den Besitzern dieser Arbeitskraft kommt dabei die ambivalente Aufgabe zu, sich zu reproduzieren, indem sie das Kapitalverhältnis reproduzieren. Um sich in den Verwertungsprozeß werfen zu können, müssen die Subjekte aber von aller leiblichen Besonderheit Abschied nehmen, müssen sich in ihr Schicksal als bloße Arbeitskraftbehälter fügen und sich auf Gedeih und Verderb an das Kapitalverhältnis ketten. Ihre Alternative lautet: Verwertung oder Tod, und die Entscheidung darüber ist beileibe nicht die ihre. "Die Subjektform garantiert nicht den kapitalproduktiven Gebrauch des Individuums, obwohl sie es dafür zurichtet. Als formelles Subjekt ist es nicht Herr seiner Identität, denn es hat keine Substanz. Seine Substanz als materielles Subjekt dagegen – die Arbeitskraft – ist variables Kapital, d.h. lebendige Darstellung der Selbstverwertung des Werts. Sein Inhalt ist das Nichts, bloße Funktion, und seine Perspektive daher der Tod." (13)

Da das Subjekt für das Kapital lediglich in seiner Abstraktion, als bloßer Arbeitskraftbehälter von Belang, als besonderes Subjekt aber schlichtweg überflüssig ist, muß es alle Anstrengungen unternehmen, seine besondere Nützlichkeit für das Kapital dauernd unter Beweis zu stellen. Gegen das Kapital, also jene Instanz, die es als Besonderes negiert und dem es sich dennoch andienen muß, richtet sich der ganze Haß des bürgerlichen Subjekts. In unauflösbarer Schizophrenie versucht es, gleichzeitig den Verwertungsprozeß nach Kräften zu fördern und gegen ihn zu rebellieren. Das Resultat ist die Raserei gegen ein Ersatzsubjekt, die Verpflichtung der Juden als Personifikation dieses Verwertungsprozesses.

Wie die Logik dieser systematischen Verschiebung aussieht, zeigt Moishe Postone in seinem Aufsatz "Nationalsozialismus und Antisemitismus" (14). Postone weist darin auf, daß diese Logik in der Wertform selbst zu suchen ist. In ihr zeigt sich der Doppelcharakter der Ware als Trägerin einerseits von Gebrauchswert, andererseits von Wert. Die so bestimmte Kategorie Ware erhält dadurch Fetischcharakter, daß sie die Form ist, in der gesellschaftliche Verhältnisse sich ausdrücken müssen. Weil sie sich so vergegenständlichen müssen, erscheinen den Produzenten "die gesellschaftlichen Beziehungen ihrer Privatarbeiten als das, was sie sind, d.h. nicht als unmittelbar gesellschaftliche Verhältnisse der Personen in ihren Arbeiten selbst, sondern vielmehr als sachliche Verhältnisse der Personen und gesellschaftliche Verhältnisse der Sachen." (15)

Der Fetischcharakter der Ware drückt sich unmittelbar in der Wertform aus. Der Warenwert erscheint doppelt: einmal in der Ware selbst, sodann in der Geldform. Erst in dieser Verdopplung wird die scheinbare Trennung von Wert und Gebrauchswert vollständig: Die Ware scheint nur noch Gebrauchswert zu besitzen, der Wert scheint vollständig in die Geldform übergegangen zu sein und nur dieser anzugehören. Die Ware scheint sich ihrer Wertdimension entäußert und in eine eigene, ihr gänzlich fremde Existenzform, in Geld, verwandelt zu haben. Der Vorgang, den Marx anhand der einfachen Warenform entwickelt, erhält auf dem Niveau entwickelter kapitalistischer Produktionsverhältnisse eine neue Qualität. Im Austauschprozeß wird nun der Spieß umgedreht und der Wert setzt sich als "automatisches Subjekt". Seine Selbstverwertung konstituiert einen fortwährenden Prozeß, in dem ständig Mehrwert zugesetzt wird. "Er hat die okkulte Qualität erhalten, Wert zu setzen, weil er Wert ist. Er wirft lebendige Junge oder legt wenigstens goldene Eier." (16)

Wird vom fetischisierten Bewußtsein auf der Ebene der einfachen Wertform Geld als Abstraktes von der Ware als konkreter abgetrennt und verdinglicht, so transponiert sich dieser Vorgang auf der Ebene der entfalteten Wertform in eine Spaltung von als konkret begriffenem Produktions- und als abstrakt verstandenem Verwertungsprozeß. Die Phrase vom raffenden und schaffenden Kapital ist damit in die Welt gesetzt. "Auf der logischen Ebene des Kapitals läßt der ,Doppelcharakter‘ (Arbeits- und Verwertungsprozeß) industrielle Produktion als ausschließlich materiellen schöpferischen Prozeß, ablösbar vom Kapital, erscheinen. [...] So kann das industrielle Kapital als direkter Nachfolger ,natürlicher‘ handwerklicher Arbeit auftreten und, im Gegensatz zum ,parasitären‘ Finanzkapital, als ,organisch verwurzelt‘." (17)

Was hier als "Finanzkapital" und in dem Maße allein als "Kapitalismus" firmiert und wie seinem abgespalteten siamesischen Zwillingsbruder "produktive Arbeit" Natürlichkeit attestiert wird, deckt sich in auffälliger Weise mit den Attributen, die der Antisemitismus den Juden zuschreibt. Tatsächlich werden im modernen Antisemitismus die Juden mit dem als abstrakt begriffenen kapitalistischen Verwertungsprozeß und schließlich mit "dem Kapital" identifiziert. Moderner Antisemitismus ist also eine Konsequenz warenförmigen Denkens und damit die affirmative Rebellion gegen den Kapitalismus, die genuine Verschiebungsleistung des kapitalen Subjekts.

Nun kann Postone, wie er selbst einschränkt, zwar erklären, welche Logik hinter dem antisemitischen Denken steckt, aber nicht, wie und warum es historisch in Erscheinung trat. Insbesondere die auch von Goldhagen aufgeworfene Frage, warum in Deutschland der Antisemitismus zu seiner mörderischen Konsequenz getrieben wurde, bleibt unbeantwortet. Das Defizit liegt in Postones strukturalistischem Verständnis der Marxschen Arbeitswertlehre, die die Verdinglichung als einmalig statthabenden Vorgang begreift, und nicht als ständig sich neu abspielenden Prozeß. Der Warenfetisch erstarrt darin zum strukturalen Rahmen, die Frage nach seiner Genese und seinen Trägern wird systematisch ausgeblendet.

Verfolgt man die historische Genese des Antisemitismus seit dem Beginn der Warenwirtschaft, wie dies etwa Ulrich Enderwitz in "Antisemitismus und Volksstaat" (18) tut, so stößt man zwangsläufig auf den modernen Staat. Dieser entwickelt im Zuge des entstehenden Kapitalismus ein erstaunliches Eigenleben, wodurch sich im Laufe des 19. Jahrunderts insbesondere sein Verhältnis zum Kapital entscheidend verändert. Das Kapital sah sich in einem rein bürgerlichen Klassenstaat seinem eigenen Untergang entgegentreiben, sei es in Form seiner revolutionären Aufhebung durch das Proletariat, sei es in der Auflösung der Gesellschaft im Krieg aller gegen alle. Der sich abzeichnenden Katastrophe war nur durch eine Emanzipation des Staates von der engen Bindung an seine eigene Klassenklientel zu begegnen. Diese Entwicklung fand in allen europäischen Staaten statt, kam jedoch in Deutschland zu ihrer idealen Verwirklichung. Aus der Not der Rückständigkeit eine Tugend machend, übernimmt hier der absolutistische Staat anstelle der nur rudimentär vorhandenen Bourgeoisie "die politische Vormundschaft für das in den Anfängen seiner ökonomischen Entwicklung stehende industrielle Kapital" (19). Als dieser Vormund regulierte der preußisch-deutsche Staat von Anfang an die Widersprüchlichkeit kapitalistischer Entwicklung, die ihn in anderen Ländern erst auf den Plan gerufen hat.

Der Sonderfall

Die Konsequenzen waren weitreichend: Einerseits wurde das Bürgertum auf eine Existenz als Staatsbürgertum verpflichtet. Es hatte den Staat, der das kapitale Ausbeutungsverhältnis garantierte, im Gegenzug ebenso zu garantieren und im Zweifelsfall auf liberale Errungenschaften zu verzichten. Im deutschen Fall fand diese Subsumierung des Bürgertums unter den Staat gleich von vornherein statt, das Bürgertum kam als Staatsbürgertum zur Welt. Andererseits garantiert der Staat, ganz im Gegensatz zur bourgeoisen Klasse, mit den Verwertungsbedingungen des Kapitals gleichzeitig die Reproduktionsbedingungen der Arbeitskraftbesitzer, weswegen diese, sprich das entstehende Proletariat, den Staat in zunehmendem Maße als Verbündeten begreifen. Bourgeoisie wie Proletariat unterziehen sich also einer "Verstaatlichung" (Enderwitz), einer freiwilligen Unterwerfung unter die politische Herrschaft zur Garantie ihrer jeweiligen Existenz als bürgerliches Subjekt. Der preußisch-deutsche bürgerliche Staat seinerseits verwandelt sich zum "Volksstaat".

Daß Antisemitismus nunmehr zur gemeinsamen Sache von Volksstaat und Staatsvolk werden kann, hat seine Ursache in der Form der bürgerlichen Subjektkonstitution. Die Abstraktion des Individuums einerseits zum marktfähigen Warenhüter, andererseits zum herrschaftskompatiblen Exemplar des Menschen sind die beiden Seiten der Subjektform. Während die Anerkennung als Subjekt des Verwertungsprozesses immer prekär und ein Unternehmen auf privates Risiko bleibt, scheint sich im staatlichen Souverän ein mächtiger Bündnispartner anzubieten, der eine stabile Subjektivität garantieren kann. In der Zugehörigkeit zum Staatsvolk scheint sich die Möglichkeit einer substantiellen Anerkennung als Subjekt zu eröffnen. Im "Volk" glaubt das Subjekt eine Trutzburg gefunden zu haben gegen all das, was seine Subjektivität zu bedrohen scheint. Während die angebliche Bedrohung "von außen" im rassistischen Stereotyp bekämpft wird, projiziert es die Bedrohung "von innen", diejenige nämlich, die es in der Gesellschaft vermutet und die tatsächlich im Subjekt selbst steckt, in "den Juden". "Im Rassismus halluziniert der Bürger den Untergang in krude Natur, im Antisemitismus seine Annihilation durch den hypertrophen Geist." (20)

In Deutschland stößt das nach völkischer Identität schreiende Subjekt seit jeher auf besonderes Entgegenkommen staatlicherseits. Der Schritt vom Volksstaat zum Volksgemeinschaftsstaat, der diese Identität zu garantieren verspricht, erfolgte schließlich in dem Augenblick, in dem die Labilität des bürgerlichen Subjekts in seine offene Krise umschlug. Je prekärer die Situation wird, desto grundsätzlicher muß die "Lösung" ausfallen. Der Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit sollte im nationalsozialistischen Staat nicht mehr nur ausgeglichen, sondern ganz zum Verschwinden gebracht werden. Das Bedürfnis nach Identität wird zum "existentiellen Wahn" (Bruhn), das antisemtische Ressentiment zur unerbittlichen Verfolgungs- und Vernichtungspraxis. Nicht mehr nur vorübergehend und bis auf Widerruf sollte dem Subjekt Subjektivität und Identität zukommen, sondern ein für allemal und endgültig. Die Raserei gegen das in den Juden immaginierte Nichtidentische und dessen unwiderrufliche Vernichtung sollte der Schlüssel zur Identität sein.

Der Versuch, im Gegensatz zu Goldhagen Antisemitismus nicht als bloße Vorurteilsstruktur oder "Mentalität" zu begreifen, sondern nach seiner logischen Struktur und historischen Genese zu fragen, hat vor allem zwei Momente herauszuarbeiten. Einerseits muß Antisemitismus generell als Konsequenz kapitalistischer Subjektkonstitution verstanden werden. Andererseits ist die Radikalisierung des Antisemitismus in Deutschland und seine Einmündung in das Projekt der Ermordung der europäischen Juden zwar in dieser Logik angelegt, jedoch nur vor der spezifischen historischen Entwicklung zu erklären. Dies rückt für die Erklärung des deutschen Antisemitismus den deutschen Staat in zweifacher Weise in den Mittelpunkt: einmal als institutioneller Organisator des antisemitischen Projekts, sodann als Gravitationszentrum der Subjektform, die den völkischen Wahn ausbrütet.

Die phänomenologischen Betrachtungen, die Goldhagen über den deutschen Antisemitismus anstellt, fangen den Widerschein genau dieser Verhältnisse ein, ohne jedoch dessen Quelle zu erahnen. Er beschreibt Antisemitismus nicht als funktional eingesetzte Propaganda, sondern als ideologisches Grundmuster, das die nationalsozialistische deutsche Gesellschaft prägte. Er erkennt im Holocaust ein "deutsches nationales Projekt" (S. 11), das von der großen Mehrheit der Deutschen auch als solches begriffen wurde. Und er sieht im Holocaust die Verschränkung staatlicher Politik und individuellen Handelns am Werk, deren Schnittpunkt die antisemitische Praxis war.

Die deutschnationalliberale Kritik an Goldhagens Buch reflektiert in ihren Versuchen, den Zusammenhang zwischen Antisemitismus und deutscher Nation abzuleugnen, genau diese richtigen Einsichten des Autors. Darin liegt die politische Bedeutung des Buches. Eine theoretische Erkenntnis verbaut sich Goldhagen jedoch selbst, indem er in seinem strikt subjektivistischen Ansatz verharrt. Die Aussagen, die er über das individuelle Denken und Handeln der Täter treffen kann, bestätigen zwar eine Analyse des Antisemitismus, wie sie hier dargestellt wurde. Doch gelangt Goldhagen nirgends über diese individuelle Ebene hinaus.

Nicht umsonst macht sich seine Darstellung an den Formen des Mordens fest, die im Gegensatz zu der fabrikmäßigen Vernichtung in Auschwitz und anderswo individuelle Täter aufweisen. Im System der Vernichtungslager und im Projekt der totalen Vernichtung verschwindet der Gegensatz zwischen der individuellen Tat und der Politik des Souveräns jedoch endgültig. Die Raserei der Subjektform erstrebt die Beteiligung am Souverän, und der Souverän verleiht der Subjektform die Macht zur Raserei. Die Subjektform kommt den Einzelnen jedoch nur von Gnaden des Souveräns zu, unter der Bedingung, aller subjektiven Besonderheit zu entsagen. "Die antisemitische Verhaltensweise wird in den Situationen ausgelöst, in denen verblendete, der Subjektivität beraubte Menschen als Subjekte losgelassen werden." (21) Eine subjektivistische Theorie des Antisemitismus kann immer nur dessen ideologischen Abdruck aufnehmen, niemals aber seine Logik und seine Genese rekonstruieren.

Stefan Vogt/Andreas Benl (BAHAMAS 20/1996)

 

Anmerkungen:

1) Daniel Jonah Goldhagen, Hitler’s Willing Executioners. Ordinary Germans and the Holocaust, London 1996, S. 6. Zitate aus dem Buch werden im folgenden im Text vermerkt.

2) So der britische Historiker Ian Kershaw in: Der NS-Staat, Reinbek 1994, S.14

3) "Zeit", 17.5.96

4) Vgl. R. Augstein: Der Soziologe als Scharfrichter, "Spiegel" 16/96

5) F. Meyer: Ein Volk von Dämonen?, "Spiegel" 21/96

6) P. Glotz: Nation der Killer?, "Woche" 19.4.96

7) F. Schirrmacher: Hitlers Code, FAZ 15.4.96

8) "Anders als es heute viele wahrnehmen wollen, ist es gerade die Kollektivschuld-These gewesen, die es der herrschenden Klasse mit ermöglicht hat, nach 1945 wieder in die alten Positionen zu kommen." Autonome Nahostgruppe Hamburg/Gruppe Arbeiterpolitik: Zionismus, Faschismus, Kollektivschuld, Bremen 1989, S. 20

9) J. Habermas: Vom öffentlichen Gebrauch der Historie, "Zeit" 7.11.86

10) R. Kühnl: Kampf ums Geschichtsbild, in: "junge Welt", 24.6.96

11) W. Pohrt: Endstation. Über die Wiedergeburt der Nation, Berlin 1983, S.128

12) I. Bindseil, Über Prinzipien und Fallstricke des Materialismus beim Umgang mit Überbauphänomenen, in: dies., Streitschriften, Freiburg 1993, S. 143

13) J. Bruhn, "Typisch deutsch". Christian R. und der linke Antirassismus, in: ders., Was deutsch ist, Freiburg 1994, S. 149

14) M. Postone, Nationalsozialismus und Antisemitismus. Ein theoretischer Versuch, in: D. Diner (Hg.), Zivilisationsbruch. Denken nach Auschwitz, Frankfurt a.M. 1988, S. 242-254

15) MEW 23, S. 87

16) MEW 23, S. 169

17) Postone, Nationalsozialismus und Antisemitismus, S. 249/50

18) U. Enderwitz, Antisemitismus und Volksstaat. Zur Pathologie kapitalistischer Krisenbewältigung, Freiburg 1991

19) Enderwitz, Antisemitismus und ... , S. 89

20) J. Bruhn, Unmensch und Übermensch. Über Rassismus und Antisemitismus, in: Kritik & Krise 4/5 (1991), S. 18

21) Th. W. Adorno/M. Horkheimer, Dialektik der Aufklärung, Frankfurt 1989, S. 180