Editorial 38

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Was für ein jämmerlicher Haufen muß die antifaschistische Linke sein, wenn ihr jetzt die BAHAMAS auf ihrem ureigenen Feld den Rang abläuft. Wenn jene schon von Theorie nichts verstehen, so dachte man immer, dann betreiben sie doch wenigstens das Geschäft der Recherche recht fleißig. Stets wußten sie haarklein, welcher Nazi zu welchem Anlaß was getan oder gesagt hat. Noch die popeligsten Kameradschaftsrundbriefe wurden akribisch ausgewertet, und was in den braunen Netzwerken stand, so dachte man, weiß die AntiFA zuerst und gibt es auch weiter. Weil man auf den BAHAMAS natürlich weiß, daß die AntiFA sehr wohl weiß, was in Greifswald und anderswo seit Monaten gespielt wird, aber es nicht wissen will, sie also damit begonnen hat, Nachrichten aus der Braunzone zu unterschlagen, übernimmt die Redaktion ab jetzt schweren Herzens auch das Ressort „Recherche“. Beginnen wir also das leidige Geschäft mit der Dokumentation einer Pressemitteilung der NPD Greifswald:

Greifswald. Am Freitag dem 19. April 02 fand in Greifswald eine Demonstration der arabischen Studentenschaft in Greifswald gegen den israelischen Terror in Nahost und die illegale Besetzung palästinensischer Gebiete durch die Israelis und ihre Vasallen statt. Mit Genehmigung der Versammlungsleitung nahm auch die NPD-Greifswald an dieser Protestkundgebung teil. Die Veranstaltungsleitung, welche darauf bedacht war, dass eine öffentliche Veranstaltung durchgeführt werden soll, diskriminierte uns – trotz Forderungen einiger Gestriger – nicht. Zahlreiche Gespräche mit arabischen Funktionären, aber auch mit sogenannten politischen „Gegnern“ wurden geführt. Forderungen und Argumente wie „Sharon-Kindermörder“, „Israel-Kindermörder“, „George Bush-Kindermörder“ oder „Raus-Raus-Raus-Raus aus Palästina“ schallten durch die Hansestadt. Natürlich hatten wir gegen diese Argumentationen nichts einzuwenden. Wir protestierten gemeinsam. Bemerkenswert war, dass die sogenannte Linke bzw. Antifa nur am Rande der Demo erschien und sich trotz Aufforderung durch wenige Gleichgesinnte nicht in den Demonstrationszug einreihte. Auch sämtliche Vertreter der Stadt blieben der Veranstaltung fern. Ihre sogenannte Fremdenfreundlichkeit kann deshalb nur als Heuchlerei im Sinne der multikulturellen Wirtschaftsinteressen betrachtet werden, welche wir, aber auch die arabische Welt rigoros ablehnen. Herr Pastor Gürtler – Organisator der „Freitagsrunde“ und Mitinitiator der totalen antinationalen Bewegung in Greifswald – kam sich ziemlich einsam vor ohne die Unterstützung seiner einstigen Verbündeten. Ob er als Christ alles verstanden hat, was auf arabisch vorgetragen wurde? Wir bezweifeln dies ernsthaft. Natürlich gab es Gespräche, welche Meilensteine für weitere friedliche Aktionen legen werden. NPD-Greifswald, Postfach 13 16, 17466 Greifswald, www.npd-greifswald.de.

Migranten und Nazis gemeinsam gegen den Imperialismus, und die AntiFA schaut zu. Der liberale Pastor, mit dem man doch gemeinsam den Aufstand der Anständigen inszeniert hat, scheint der einzige in Greifswald gewesen zu sein, der noch eine Ahnung vom antisemitischen Charakter dieses gruseligen Aufzuges hatte. Pastor Gürtler, der den örtlichen AntiFas Honorigkeit und Honorarjobs zur antifaschistischen Umerziehung der braunen Jugend verschafft hat, muß sich von Nazis und Palästinensern als Rassist beschimpfen lasssen, und die örtliche AntiFA schaut zu. Auch sie wissen schließlich, daß sich jede Kritik an volkstümlichen Äußerungen anderer Kulturen verbietet. Das, was der Pastor von den arabisch vorgetragenen Statements nicht verstanden hat, den NPD-Kadern aber von den palästinensischen Kameraden augezwinkernd mitgeteilt wurde, dürfte wohl dazu gehören. Die anwesenden AntiFAs wußten nur eines: Wer sich müht, der Antisemitismuskeule auszuweichen, darf zugleich nicht dem „Antiislamismus“ verfallen, und so ließen sie den Pastor allein und den deutsch-palästinensischen Mob marschieren. Von diesem traurigen Tiefstpunkt ihrer doch nicht immer so ruhmlosen Geschichte werden sich Antifaschisten nie erholen, wenn sie nicht... aber das steht ja in diesem Heft.

Die braunen Netze strotzen vor Nachrichten über die immer gleiche Kumpanei zwischen deutschen Nazis und palästinensischen Volkstumskämpfern. Daß die Redaktion gerade deswegen jetzt auch noch die Abteilung Gegenöffentlichkeit, ja den Sektor „unterdrückte Nachrichten“ übernehmen muß, das hätte sie als Vereinigung eingeschworener Verächter von Verschwörungstheorien noch vor Jahresfrist für einen schlechten Scherz gehalten. Wer außer der BAHAMAS würde noch die notwendigen Fakten sammeln, die die deutsche Medienöffentlichkeit gezielt unterschlägt, um zu einer Einschätzung wie dieser zu kommen? „Israel hatte das Recht, darauf zu bestehen, daß Militär- und Antiterrorexperten Teil der Kommisson sind; es hatte das Recht, darauf hinzuweisen, daß es nicht auf der Anklagebank sitzt und nicht so behandelt werden will. Aber es hilft nicht, recht zu haben. Die Welt sieht ein Land, das nicht mit der Weltorganisation kooperiert. Das ist fatal. Jassir Arafat wird, wenn er seine Bewegungsfreiheit wiedergewonnen hat, das meiste daraus zu machen verstehen und die „Bomberstadt“ Dschenin zum Mythos eines palästinensischen Massada verklären. Will die Welt die Wahrheit überhaupt noch wissen?“ Glaube nur keiner, daß der Autor dieses Kommentars ein Linker wäre oder das Blatt, in dem er erscheinen konnte auch nur entfernt der Linken zuzurechnen. „Israel in der Falle von Dschenin“ von Alan Posener erschien am 29.04.2002 in der Welt, der einzigen Tageszeitung, in der Antiimperialisten normalerweise nicht schreiben dürfen und die deshalb – wenn auch nur zum Thema Nahost – zu den gleichen Ergebnissen kommt wie die BAHAMAS. Wie wenig Linke, wie zum Beispiel der investigative Journalist Elsässer, von der Objektivität ihrer geliebten Fakten halten, merkt man daran, daß sie die Wahrheit über die Einkreisung Israels, anders als seinerzeit im Fall Jugoslawien, gar nicht wissen wollen. Sie passen nicht ins Programm.

Bleibt noch nachzutragen, welches Ziel an diesem Ostermontag ein linker und friedensbewegter Schweigemarsch in Berlin hatte: den Sitz des Springer-Verlages, in dem die Welt erscheint, und zwar wegen einseitiger, gar hetzerischer, um nicht zu sagen zionistischer Einseitigkeit dieser Zeitung für Israel und gegen das palästinensische Morden.