Editorial 39

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Wie stellen Sie sich einen Blütentraum von Peter „Energiebällchen“ Nowak vor oder von Bernhard, sprich Börnaar Schmid, dem Wahlfranzosen vom Bodensee? Luxus, Sex, Völlerei? Das glauben Sie doch selber nicht. Der Traum, von dem nicht nur die beiden emsigsten Nachwuchstalente des linken Journalismus sondern auch all die Bewohner engagierter WGs, die stolz darauf sind, ohne BAHAMAS-Abonnement zu sein, mit rosigem Lächeln unbeschwerten Glücks aufwachen, ist ein Fall von Bilanzbereinigung: Die BAHAMAS-Auflage, so will es der Traum, sei nach dem 11.09. dramatisch von bescheidenen 350 Exemplaren auf inzwischen nur noch 200 Exemplare zurückgegangen. Davon blieben immer an die 60 Exemplare unverkauft zurück und es würden von Ausgabe zu Ausgabe mehr.

Kaum aufgewacht verflüchtigt sich zarte Hoffnung und weiter wühlt und bohrt der BAHAMAS-Zeck. Bernhard Schmid fühlt sich verfolgt und verfolgt seinerseits Oriana Fallaci ganz wie der Nowak und sie fälschen die italienische Partisanin zu einer antideutschen Verbrecherin zurecht. Unsere WG-Bewohner haben erst kürzlich den Beschluß gefaßt, wonach jedeR, die/der über die BAHAMAS redet, zwei Euro Strafgeld ins WG-Schweinderl werfen muß und schon wieder hält sich keineR dran. Das Schweinderl wird nicht voller, obwohl jedes Gespräch fast zwanghaft auf das immer gleiche Quartalsblatt zurückkommt. Sexismus? Siehe BAHAMAS. Bellizismus, gleiche Adresse. Kritik am Antisemitismus, Kreuzzüge für die sofortige Ausradierung Bagdads, Instrumentalisierung der Antifa für sachfremde Zwecke, öffentliche Aufrufe zum Araber-Klatschen. Wer hat die dicksten Auschwitzkeulen und verherrlicht genitale Sexualität, wer führt den Mißbrauchs-Apologeten Freud dauernd im Munde und reißt autochthonen Muslimas die Verhüllung vom Kopf? Aber warum reden sie, wo es ihnen vor so etwas doch ehrlich graust, dauernd darüber? Ist es denn ein Wunder, daß der Traum von den allerhöchstens 140 Lesern gar nicht stimmen kann, wenn noch nicht einmal sie den Rand halten können?

Gerüchteweise heißt es, die BAHAMAS-Redakteure würden inzwischen von ihrem Produkt auskömmlich leben, daß die Auflage irgendwo zwischen der von Jungle World und Konkret liegen müsse. Allein, man weiß es nicht, wie man überhaupt auffällig wenig aus dem Innenleben dieses Blattes weiß. Man kann nichts machen. Je entschiedener man sich aufs Totschweigen, aufs „gar nicht Ignorieren“ verständigt hat, desto unbändiger strömt es aus Indymedia und seiner anspruchsvolleren Ausgabe für Studierende, der Jungle World, wieder heraus. Mitreden wird man ja wohl noch dürfen, wenn die anderen auch alle dürfen. Nur, dann ist man schon wieder Teil des Problems.

Vielleicht sollte man es mit BAHAMAS light versuchen, also ein bißchen antideutsch und ein wenig Antisemitismus-Kritik mit antirassistischem Sommercamp und prima Transgender mischen? Totschweigen durch abschreiben – irgendwo zwischen der Berliner Gruppe Venceremos, der Hamburger Demontage und den Antipat-Struppis vom Dresdner Infoladen. Haut auch nicht hin. Die genannten Gruppen sind zwar ganz o.k., aber es verhält sich mit Ihnen wie mit dem Haschisch. Wer einmal gekifft hat, will den echten Kick und BAHAMAS verhält sich zu Venceremos wie reinstes Heroin zu muffigem Homegrown.

Vielleicht sollte man sich einmal gehörig auf Suchtverhalten hin überprüfen, die, wie man weiß, nicht einfach so entstehen, sondern gesellschaftliche Wurzeln haben. In Zeiten der Umstrukturierung suchen die Herrschenden bekanntlich nach Mitteln, die Beherrschten von ihren wirklichen Interessen und vom Widerstand abzuhalten. Wenn nun ausgerechnet jene, die doch politisch ziemlich bewußt sind, nicht mehr wissen, wo ihnen der Kopf steht und dauernd über total Unwichtiges reden, dann sollte das stutzig machen. Ist es vielleicht so, daß einer wie der Bernhard Schmid, von dem man ja weiß, daß er in seinen jüngeren Tagen ein ganz ausgebuffter Antideutscher war, oder der Peter Nowak, den man noch im letzten Jahr im Gespräch mit Justus Wertmüller gesehen hat – dafür gibt es Zeugen – ein doppeltes Spiel treiben? Könnte es sein, daß sie die BAHAMAS beschimpfen, um sie im Gespräch zu halten? Und wer bitte sind eigentlich diese anonymen Indy-Media-User, die dauernd gegen die Antideutschen schreiben, woraufhin Antideutsche antworten und für Wichtiges gar kein Platz mehr bleibt? Könnte es nicht so sein, daß die Omnipräsenz der BAHAMAS inszeniert ist, daß einige wenige durch gezielte Verunsicherungen eine ganze Szene dekonstruieren? Erinnert einen das nicht an klassische Counter-Insurgency? Könnte nicht Javier Santana mit seiner Analyse in Indymedia vom 22.08.2002 ins Schwarze getroffen haben: „Ein Gespenst geht um auf Indymedia. Der Antideutsche. Der Antideutsche ist Gegner der Linken, auch wenn er sich Kommunist nennt, autoritär und machtversessen, auch wenn er höriger Angehöriger einer unbedeutenden Splittergruppe ist, Akademiker und weltfremd, auch wenn er auf postsubkulturell modebewußtes Auftreten Wert legt, auf dem besten Wege, alle politischen Ideale an das System zu verraten (...). Er ist zynischer Militarist und Kriegstreiber, Zuträger von Polizei und Geheimdiensten (...) sowie von einem unerträglichen Dünkel gegenüber bildungsfernen Schichten besessen (...)“

Manche Gerüchte werden tatsächlich von der Redaktion selbst in Umlauf gebrach. Eines davon wollen wir jetzt richtig stellen: Wir haben im vorherigen Heft (Nr. 38) als Autoren des Beitrages Intifada im Deutschen Haus Stefan Baum genannt. Stefans Name lautet jedoch Braun.

Eine Anmerkung für BAHAMAS-Leser in Frankfurt a/M. Im Uni-Buchladen mag man Israel nicht und deshalb auch nicht die BAHAMAS: „Wenn Ihr das Existenzrecht eines palästinensischen Staates und die Umsetzung der UN-Resolutionen unterstützt, oder zumindest akzeptiert, könnt Ihr wieder liefern.“ Da die UN selbst ihre 1975er Resolution, der zufolge die Grundlage der israelischen Staatsgründung, der Zionismus, „Rassismus“ sei, 1991 wieder annullierte, was in Durban wiederum annulliert wurde, wollen wir weiteren Entwicklungen bezüglich der 31 UN-Resolutionen, die bei www.Muslim-Markt als von Israel „unerfüllt“ aufgelisteten werden, nicht vorgreifen und empfehlen zum Einkauf: die Karl-Marx-Buchhandlung in der Jordanstraße 11.