Titelbild des Hefts Nummer 87
Gegen Coronaleugner und rechte Hetze
Heft 87 / Frühjahr 2021
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Sex, Boulevard, Kritik

Drosten-Deutschland im Kampf gegen die Bild-Zeitung und ihren Chefredakteur

Die Bild ruft an, fragt nach ‘nem Interview

Ich lege auf, hab‘ keine Lust dazu.

ZSK, in dem Song Ich hab Besseres zu tun

Mitte März berichtete der Spiegel unter der Überschrift „Vögeln, fördern, feuern“, dass das Medienunternehmen Axel Springer eine interne Untersuchung gegen den Bild-Chefredakteur Julian Reichelt eingeleitet habe. Dem Vorstand sei aus interner Quelle gemeldet worden, dass Reichelt „Bett und Beruf verquicke“ (Spiegel, 13.3.2021). Die im Raum stehenden Vorwürfe, die angeblich von mehreren aktuell beschäftigten und ehemaligen Mitarbeiterinnen vorgebracht worden waren, umfassten neben Machtmissbrauch und Ausnutzung von Abhängigkeitsverhältnissen auch unangemessenes Führungsverhalten und Kokainkonsum. Im Zentrum des medialen Interesses stand insbesondere der erste Punkt: Reichelt gehe seit Jahren Affären mit Kolleginnen ein, die er anschließend befördere oder entlasse. Die Anschuldigungen waren vage und basierten auf Gerüchten. Wohl auch deshalb kam die Wirtschaftskanzlei, welche die Compliance-Abteilung des Konzerns mit den Ermittlungen innerhalb der Bild-Redaktion beauftragt hatte, wenige Wochen später zu dem Ergebnis, dass Reichelt zwar Affären mit Kolleginnen eingegangen sei, ein damit zusammenhängender Machtmissbrauch jedoch nicht festgestellt werden konnte; die Beziehungen seien zudem einvernehmlich gewesen. Da es dem antisexistischen Normalbewusstsein aber egal ist, ob Menschen freiwillig miteinander ins Bett gehen oder nicht, wenn es sich um den Vorgesetzen und eine Untergebene handelt, musste sich der Springer-Konzern trotz des „Freispruchs“ für den Bild-Chef, der sich den „Vorsitz der Chefredaktionen“ fortan allerdings mit Alexandra Würzbach teilen wird, um seinen ohnehin nicht allzu guten Ruf sorgen. Aus diesem Grund gaben die Verantwortlichen bekannt, dass Springer die hausinternen Verhaltensregeln aktualisieren werde: Intime Beziehungen innerhalb des Verlags sollen in Zukunft meldepflichtig sein.

Zeitgemäße sexualpolitische Direktiven

Wie es innerhalb der Redaktionsräume der Bild zugeht, erfährt man in der Doku-Serie „Bild. Macht. Deutschland?“, die im Dezember letzten Jahres auf Amazon Prime startete. Das Branchenmagazin Horizont schreibt über Reichelts Führungsstil durchaus treffend: „Reichelt ist sehr direkt und impulsiv, sein Umgang mit Mitarbeitern oft sehr ruppig. Treffen kann sein Furor jüngere Kollegen ebenso wie ältere, Schwarze wie Weiße, Frauen wie Männer, und er macht auch vor Autoritäten nicht halt. […] Vor zehn oder zwanzig Jahren wäre ein solcher Umgangston nicht der Rede wert gewesen, erst recht nicht bei Bild. Redaktionen wurden autoritär und patriarchalisch geführt. Chefredakteure, die in Stresssituationen herumbrüllten, waren keine Seltenheit, manche warfen auch mal mit Gegenständen um sich, schmissen Redakteure hinaus, um sie am nächsten Tag wieder zu sich zu zitieren, oder schlossen Reporter ein, bis endlich der Text fertiggeschrieben war. Aufgearbeitet wurden solche Vorfälle gar nicht oder erst spät, etwa beim Spiegel, dessen Gründer Rudolf Augstein seine Assistentin auch mal im Bademantel empfing. Affären gab es früher wie heute, unter Kollegen wie zwischen Chefs und abhängig Beschäftigten. Reichelts Vorgänger Kai Diekmann lernte seine Frau Katja Kessler bei Bild kennen. Aber die Zeiten haben sich geändert, das müsste der Bild-Chef von heute wissen.“ (14.3.2021)

Die Zeiten haben sich geändert: Die postfordistische Deregulierung der Arbeitsverhältnisse und die damit einhergehende Verschärfung der Konkurrenz brachten es mit sich, dass die Beschränkung der Willkür heute immer weniger qua Arbeitsrecht geregelt, sondern den arbeitenden Subjekten selbst auferlegt wird. Dies gilt vor allem für die Kultur-, Kreativ- und Medienbranche, wo notorisches Heischen nach Aufmerksamkeit als Teil der „freien“ Entfaltung des Einzelnen seit jeher zum State of the art gehört. Den unmittelbar miteinander wetteifernden Subjekten sollen so wenige äußere Grenzen wie möglich gesetzt werden, damit sie zum Zwecke der maximal kreativen Output-Steigerung die bestmögliche Performance an den Tag legen können. Um dies zu erreichen, gilt es dabei streng darauf zu achten, dass die entfesselten Human-Ressourcen wie Emotionalität, Begeisterung und Identifikation nicht unproduktiv abgelenkt werden, sich also nicht auf mögliche Geschlechtspartner innerhalb des Kollegenkreises richten.

In der New Economy zählen allgemeine formale Qualifikationen nur noch wenig, da sich in ihr alles um die „individuellen“ Besonderheiten der Kreativarbeiter dreht. Indem die Persönlichkeit des Einzelnen ins Zentrum der Wertbildung rückt und das Verhältnis von Gütern und Verbrauchern (oder besser: Publikum) „durch mehr oder minder intensive Formen der Affizierung (Freude, Spannung, Abenteuer, Genuss, Selbstbildung, moralische Befriedigung, Sicherheit) geprägt“ ist, entfaltet sich Konkurrenz in Form von „Attraktivitätswettbewerben und Attraktivitätsmärkten“.(1) Da die Singularisierung und Subjektivierung der Kapitalverwertung zwar als Willkür erscheint, sich darin aber mehr denn je objektiv-allgemeine Zwänge geltend machen, gilt: Nicht obwohl, sondern weil das postmoderne Kapital den Bereich des „Individuellen“ und Privaten valorisiert, kommt es heute verstärkt darauf an, dass der Blick ihrer Agenten nicht durch wirklich individuelle Interessen getrübt wird. Kurz: Maß und Bestimmung der Attraktivität der kreativen Arbeitskraftbehälter sollen – kantisch gesprochen – auf „interesselosem Wohlgefallen“ beruhen, womit das „sinnliche Interesse am Angenehmen“, das die kreativ-ästhetische Charaktermaske unter Umständen durchbrechen könnte, ausgeschlossen werden soll. Dies fordert den im zeitgenössischen Kultur- und Kreativbetrieb beschäftigten Performern mehr libidinöse Selbstkontrolle und Selbstdisziplin ab als jemals davor.

Dass es hauptsächlich um den reibungslosen und kapitaladäquaten Funktionsablauf geht und feministische Argumente primär als ideologisches Alibi fungieren, zeigt die Aversion zeitgenössischer Antisexisten gegen einvernehmliche Beziehungen zwischen Männern und Frauen unterschiedlicher Hierarchieebenen am Arbeitsplatz. Stünden die Interessen weiblicher Arbeitskräfte tatsächlich im Mittelpunkt, böte die Verführung männlicher Vorgesetzter – das sogenannte Sich-Hochschlafen – eine zusätzliche Möglichkeit für Frauen, begehrte Stellen zu ergattern. Da diese Form des Aufstiegs Männern in der Regel verwehrt ist, sieht Alice Schwarzer, der man zumindest zurechnen kann, dass es ihr wirklich um die Lage der Frauen und nicht um die ideologische Anpassung an zeitgemäße Verwertungsimperative zu tun ist, in der zweckgerichteten Ausnutzung männlicher Lust ganz pragmatisch eine spezifisch weibliche Strategie, um in der Arbeitswelt zum Erfolg zu kommen. Es gebe auch heute noch viele Nachteile für Frauen, weshalb diese „ruhig mit allen Waffen kämpfen“ sollten.(2)

Wie werden wir die Bild-Zeitung los?

Ansichten wie die Schwarzers gelten heutzutage als Anstiftung zum unlauteren Wettbewerb, da die Vorgabe, wer sich wie einzubringen hat, nicht sinnlichen oder überhaupt zwischenmenschlichen Vorlieben, sondern aller antikapitalistischen Menschelei und allem asexuellen Emotionsbrimborium zum Trotz ausschließlich den Imperativen des Marktes zustehen soll. Das antisexistische Gebot lautet daher, dass die Wahl des Sexualpartners einzig in der Freizeit stattzufinden habe, was angesichts der Verschmelzung von Arbeits- und Privatsphäre immer schwieriger wird. Es verwundert daher nicht, dass nach der Film-, Fernseh- und Kunstbranche mittlerweile auch mehrere Zeitungshäuser ins Fadenkreuz der moralistischen Anstandswächter gerückt sind. Nicht nur bei Bild, auch beim Tagesspiegel, bei der Deutschen Welle und dem Schweizer Medienkonzern Tamedia wurden – moralische, nicht gerichtliche – Klagen laut, bei denen – und das ist das Charakteristische des postbürgerlichen Empörungs- und Denunziationsfurors seit MeToo – ernstzunehmende Anschuldigungen wie Drohungen, Übergriffe und sexuelle Belästigungen mit Unmutsbekundungen von enttäuschten (ehemaligen) Beschäftigten ununterscheidbar in eins geworfen werden. So bezeichneten die Beschwerdeführerinnen von Tamedia den Umgangston im Unternehmen in einem offenen Brief als „harsch“ und nannten den Satz eines männlichen Vorgesetzten: „Du bist noch nicht so weit“ als Beleg für sexistisches Verhalten; weibliche Angestellte der Deutschen Welle berichteten von einem „vergifteten Betriebsklima“ (Taz, 17.1.2020); im Falle des Vice-Magazins sprachen „einige ehemalige Mitarbeiterinnen von einer ‚Macho-Kultur‘, die dort zumindest teilweise bestanden haben soll“ (Taz, 25.5.2019). Während die Arbeitsverhältnisse, die sich im kriselnden Journalismus seit Jahren verschlechtern, in solchen Anschuldigungen nicht thematisiert werden, gibt man dem Verhalten männlicher und angeblich moralisch verkommener Einzelpersonen die Schuld daran, nicht wie gewünscht „motiviert, hartnäckig, leidenschaftlich“(3) seiner Arbeit nachgehen zu können.

Obwohl im Fall des Bild-Chefredakteurs von sexuellen Belästigungen oder Übergriffen nie die Rede war, wurde die Causa Reichelt medial viel stärker ausgeschlachtet als die eben genannten Fälle. Da es sich bei Reichelt um den Chefredakteur von Deutschlands meistgehasster Zeitung handelt, bereitete man die Sache genüsslich und mit aller Schadenfreude auf. So nutzte der oberste Denunziant der Bundesrepublik, Jan Böhmermann, ganz ähnlich wie bereits vor knapp zwei Jahren im Fall Heinz-Christian Straches und der „Ibiza-Affäre“, die Gunst der Stunde und bezeichnete Reichelt ohne nähere Erläuterungen als „Graf Koks von der Gasanstalt“. Und Lorenz Maroldt, Chefredakteur des Tagesspiegels, präsentierte, ohne Reichelt namentlich zu erwähnen, ein „Drehbuch“ für eine „Serie über eine große Boulevardzeitung“, dessen Chefredakteur ganz viel kokst und mit jungen Frauen turtelt. (Tagesspiegel online, 9.3.2021)

Da es außer dem bis zuletzt unbelegten Vorwurf des Kokainkonsums und dem Gerücht, dass Reichelt mit ein paar Frauen geschlafen haben soll, die in der gleichen Firma arbeiten, so gut wie nichts gab, das sich für einen wirklichen Skandal geeignet hätte, hörten sich Zeit und Spiegel bei Kollegen und Ex-Kollegen um. Dabei kam zu Tage: „Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschreiben ihn als vibrierend und inspirierend, aber auch als erratisch, aufbrausend, verletzend. […] Berüchtigt sind die Morgenkonferenzen, bei denen der rhetorisch dominante Reichelt seine Mitarbeiter regelmäßig attackierte. ‚Er hat manche Leute bereits morgens um halb neun enthauptet‘, sagt eine Ex-Bild-Frau. ‚Das Grundproblem ist das Prinzip Bild, das Sonnenkönige wie Reichelt hervorbringt, fördert und zulässt.’“ (Zeit, 18.3.2021) Dass „Frauen, die sich von [Reichelt] ausgenutzt oder schlecht behandelt fühlten“ (Spiegel, 13.3.2021), wohl in nicht wenigen Fällen auch deshalb nachtreten, „weil sie vom Chef eben nicht, wie vielleicht erhofft, anders, sondern genauso behandelt worden [sind] wie alle anderen“ (NZZ online, 13.3.2021), kommt Anhängern des ideologischen Konzepts „Definitionsmacht“, die jeglichen Kontakt mit der sozialen Wirklichkeit verloren haben, erst gar nicht in den Sinn.(4)

Wer in Deutschland etwas auf sich hält, sieht in der Bild-Zeitung das Übel schlechthin. Die Autorin und „Bühnenliteratin“ Sarah Bosetti brachte die Stellung linksdeutscher Kulturbürger gegen die Bild in ihrem vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen finanzierten YouTube-Kanal „Bosetti will reden“ folgendermaßen zum Ausdruck: „Wir müssen uns nicht fragen, ob die Bild-Zeitung verachtenswert ist, die Antwort ist: Ja. Wir müssen uns nicht fragen, ob sie schlecht für unsere Gesellschaft ist, die Antwort ist: Ja. Wir müssen uns nicht fragen, ob sich in den Redaktionsräumen der Bild-Zeitung fast ausschließlich seelenfressende, gewissenlose, hämische, schlechte Menschen aufhalten, die Antwort könnt ihr euch denken. Wir müssen uns nur eines fragen: Wie werden wir die Bild-Zeitung los?“(5) Bosetti schloss mit einem Boykottaufruf, der natürlich überflüssig war: Bild-Leser schauen in der Regel keine linken ZDF-YouTube-Kanäle, während deren Publikum ganz sicher nicht die Bild liest.

Axel Springer – Idealtyp der 1950er Jahre

Der distinguierte Bild- Hass, der sich üblicherweise auf den Axel Springer Verlag als Ganzes erstreckt, ist seit den 1960er Jahren genuiner Bestandteil linker deutscher Ideologie. Dabei war es nicht nur die christliche, konservativ-liberale und prowestliche redaktionelle Ausrichtung des Springerkonzerns, die die linken Gemüter erregte, sondern auch und vor allem die Person des Verlagsgründers selbst. Dessen politische Positionen wurden im Jahr 1967 als verbindliche Grundsätze für die journalistischen Mitarbeiter seines Hauses verabschiedet: „Friedliche Wiederherstellung der deutschen Einheit in Freiheit“, die „Aussöhnung zwischen Juden und Deutschen“ und „Unterstützung der Lebensrechte des israelischen Volkes“, die „Ablehnung jeglicher Art von politischem Extremismus“ sowie schließlich die „Bejahung der freien sozialen Marktwirtschaft“. (6) Aufgrund seiner Geisteshaltung, aber auch wegen seines Reichtums und seiner hegemonialen Stellung auf dem Zeitungsmarkt galt Axel Springer als idealtypischer Vertreter des frühen BRD-Establishments, das es aus Sicht einer sich seinerzeit formierenden sozialistisch-studentischen Intelligenz zu stürzen galt.

Die Verortung Springers als Idealtyp seiner Zeit war durchaus zutreffend. Als Anhänger Konrad Adenauers, Ludwig Erhards und Franz-Josef Strauß’ vertrat er einen Demokratiebegriff, der sich in der Ausrichtung gleicher, freier und geheimer Wahlen, der allgemeinen Freizügigkeit sowie dem Recht auf Privateigentum erschöpfte. Eine über dieses formale Verständnis hinausgehende gesellschaftliche Demokratisierung lehnte Springer, der sich als „staatsloyal“ verstand, ab. Trotz seiner autoritär-formalen Vorstellungen von Freiheit und der damit zusammenhängenden Affirmation eines „starken Staats“, der nicht mehr Demokratie zulassen sollte als unbedingt nötig, war Springer davon überzeugt, dass in Deutschland „gerade auf der alltäglichen und familiären Ebene grundsätzlich demokratische Verhaltensweisen und Anschauungen zu lernen seien. Demokratie wurde von Springer gleichgesetzt mit einer positiven Lebenseinstellung und einem freundlichen zwischenmenschlichen Umgang, da so die Anteilnahme am öffentlichen Leben geweckt und gefördert werde.“ (7)

Die konservative und zugleich antinazistische Position Springers war auch die der westlichen Siegermächte. Sie beruhte auf der Erkenntnis, dass die Politisierung aller Lebensbereiche in Deutschland zum Schlimmsten geführt hatte und eine „zivilisierte Mentalität“ (Horkheimer) erst noch erlernt werden musste. Dies ließ für akklamatorisch-antiautoritäre Entgrenzungssehnsüchte friedensbewegter Deutscher wenig Raum und trug dazu bei, dass die rebellierenden Studenten in einer Zeit, in der zahlreiche ehemalige Nationalsozialisten zentrale Stellen innerhalb der bundesdeutschen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft besetzten, sich ausgerechnet den unbelasteten Israel-Freund Axel Springer zum Hauptfeind auserkoren. Da Springer sich weigerte, seine Grundsätze zu ändern, und an seinen politischen Positionen auch in den 1960er Jahren festhielt, zeigte er sich von den Lockerungsübungen der Achtundsechziger alles andere als begeistert und kritisierte deren Mao-Verehrung und Palästina-Solidarität als freiheitsfeindlich und antisemitisch.

Springer stellte sich in der Auseinandersetzung zwischen den rebellierenden Studentengruppen und den Sicherheitsapparaten des Staates offensiv auf die Seite letzterer – eine Parteinahme, die im Lauf der Auseinandersetzung zu immer gehässigeren Angriffen auf die linken Studenten in BZ, Welt und vor allem Bild führte. So sehr dies in seinem Antikommunismus begründet lag, vor dessen Hintergrund er in den seinerzeit in Mode kommenden sozialistischen Ideen eine Bedrohung der christlichen Lebensführung, konservativen Staatlichkeit und sozialen Marktwirtschaft erblickte, ging es Springer vor allem darum, denen, die er als Angehörige der „breiten Mitte“ bezeichnete und die mit den linksalternativen Phrasen nur wenig anzufangen wussten, als Sprachrohr zu dienen. In den hohen Verkaufszahlen insbesondere der Bild-Zeitung sah sich Springer in seiner Auffassung bestärkt: Die Leute kauften die Springer-Blätter, weil sie darin ihre eigenen Ansichten abgedruckt fänden – zu denen, wie zahlreiche Umfragen aus dieser Zeit bestätigten, die vehemente Abgrenzung gegen die Verzichtsideologie des russischen und chinesischen Sozialismus ebenso gehörten wie der nachvollziehbare Wunsch, von autoritären Demagogen nicht belästigt zu werden.

Wer hat auf Rudi Dutschke geschossen?

Die linken Anfeindungen gegen Springer, der sich selbst als „Radikaler der Mitte“ bezeichnete, dessen Blätter „auf dem schmalen Grat zwischen rot und braun“ wandelten,(8) eskalierten im Sommer 1967. Der Grund war die tendenziöse Berichterstattung der Springer-Zeitungen über die Umstände des Todes von Benno Ohnesorg, der am 2. Juni 1967 während des Schah-Besuchs in Berlin von einem Polizisten erschossen worden war. Ebenso wie der Großteil der Westberliner Tagespresse stellten auch die Springer-Blätter die Proteste kontrafaktisch dar, indem sie den Studenten die Schuld an den Ausschreitungen gaben und die initialen Angriffe der iranischen Schläger, unter denen sich Mitglieder des Geheimdiensts des Schahs befanden, ebenso unerwähnt ließen wie die offenbar bewusste Zurückhaltung der anwesenden Polizeikräfte. Die Folge waren sogenannte Springer-Hearings, mit denen linke Studenten und Intellektuelle ein umfassendes „Springer-Tribunal“ vorbereiten und die Zerschlagung beziehungsweise Enteignung des Konzerns einleiten wollten.

Weiteren Auftrieb erhielt die Springer-Kritik, nachdem der 23-jährige Hilfsarbeiter Josef Bachmann im Frühjahr 1968 ein Attentat auf Rudi Dutschke verübt hatte, das letzterer nur knapp überlebte. Obwohl der Neonazi Bachmann zum Zeitpunkt des Anschlags eine Ausgabe der rechtsradikalen National-Zeitung bei sich getragen hatte, identifizierten die führenden Köpfe der Studentenbewegung Axel Springer als den Hauptschuldigen. In der Folge zogen tausende von Studenten vor das Berliner Axel-Springer-Haus, um die Auslieferung der Zeitungen zu blockieren und die Konzernzentrale mit Steinen und Brandsätzen zu bewerfen. Trotz der undifferenzierten und teils hetzerischen Berichterstattung der Bild, die unter anderem gefordert hatte, man dürfe „nicht die ganze Dreckarbeit der Polizei und ihren Wasserwerfern überlassen“, und die Proteste mit SA-Ausschreitungen der frühen 1930er Jahre verglichen hatte: „Mitgeschossen“ hatte die Bild-Zeitung nicht.

Die manische Beschäftigung mit dem Springerverlag und seinem angeblichen „Pogrom-Journalismus“, den die studentischen Aktivisten mit dem des nationalsozialistischen Stürmers gleichsetzten, (9) diente in Wahrheit dazu, das eigene theoretische und praktische Unvermögen zu kaschieren. Die Tatsache, dass sich die bundesdeutsche Arbeiterschaft an marxistisch-leninistischen und maoistischen Lehrsätzen desinteressiert zeigte und sich lieber durch die Bild-Lektüre unterhalten ließ, wollten sich die selbsternannten Berufsrevolutionäre lange nicht eingestehen. Die Forderungen der Studenten, zu denen nicht zuletzt die nach „demokratischer Kontrolle der Presse“ gehörte, liefen auf unmittelbare Volksherrschaft hinaus, was im Falle ihrer Realisierung im Deutschland der 1960er Jahre – zu einer Zeit also, als die Reeducation eben erst begonnen hatte –, keineswegs zur „Emanzipation“, sondern aller Wahrscheinlichkeit nach zum nazistischen Backlash geführt hätte.

Der tagtägliche Erfolg der Bild bei der „demokratischen Abstimmung am Kiosk“ (Axel Springer) war für Linke, die davon ausgingen, die „Interessen des Volkes“ zu vertreten, eine schwere Kränkung, die sie lange mit der Erklärung zu rationalisieren versuchten, dass die Arbeiter und Angestellten einer Manipulation ausgesetzt seien. Dass boulevardaffine Bild-Konsumenten, im Gegensatz zu den gebildeten Lesern der sogenannten Qualitätspresse, sich von der Politikberichterstattung nicht permanent zu irgendeinem Engagement aufgerufen fühlen, sprich: einen angenehm unaktionistischen Zugang zum Politischen pflegen, wird anhand der Diskrepanz zwischen der parteipolitischen Ausrichtung der Bild und dem Wahlverhalten ihrer Leserschaft deutlich. Seit den 1960er Jahren lässt sich nämlich „kein Einfluss der Publikationen des [Springer-]Konzerns auf die Wahlentscheidungen der Leser feststellen. So wurde in den beiden Städten Hamburg und Berlin, in denen die Springer-Blätter etwa 70 Prozent des Zeitungsmarktes beherrschten, beharrlich die SPD gewählt, obgleich die Zeitungen die CDU favorisierten.“ Dies trifft auch auf die Bild-Leser zu, unter denen der Anteil an SPD-Wählern überdurchschnittlich hoch war. Überhaupt spricht bei genauerem Hinsehen alles dafür, dass „sich die Publikationen des Springer-Verlags stärker an die Bedingungen des Marktes und damit an die Leserwünsche angepasst haben als umgekehrt.“(10)

Bild-Leser – der masturbierende Pöbel

Auch wenn sich angesichts dieser Befunde der Verdacht Axel Springers aus dem Jahr 1976 geradezu aufdrängt, dass sich die Studentenbewegung und ihre intellektuellen Zuarbeiter „weniger über Axel Springer empören als darüber, dass 4,4 Millionen Deutsche so ‚stupide‘ sind, ein Blatt wie Bild zu kaufen“ (11): Indem die Achtundsechziger der Bild die Schuld daran gaben, dass aus der ersehnten Allianz von sozialistischer Avantgarde und Arbeiterschaft nichts wurde, erschienen ihnen die Proleten, die sich nicht so verhielten, wie man es gerne gehabt hätte, als verführte Opfer. Jüngere Bild-Kritiker, die solche Hemmungen bereitwillig abgeworfen haben, machen aus den Opfern von früher das Täterkollektiv von heute. So der Schriftsteller und langjährige Titanic-Autor Gerhard Henschel: Er bezeichnete die Leser der Bild-Zeitung in einem Aufsatz in der Bildungsbürgerzeitschrift Merkur aus dem Jahr 2005 ganz unumwunden als „Schwachköpfe“, „Pöbel“ und „geistiges Lumpenproletariat“. Henschel störte sich ganz besonders an den Sex-Anzeigen, die damals noch in der Bild erschienen. Die „Anzeigenzuhälter“ der „sittenverwildernden Millionenzeitung“ mit „Klosettmoral“, die „alle Burgen abendländischer Gesittung leergefressen und ruiniert“ hätten, gehörten „von Menschen, die auf Sitte und Anstand bedacht sind, nicht einmal mit der Kneifzange angefasst“, weshalb „ein Kulturvolk“ beziehungsweise „eine Kulturnation“, wie es die Deutschen bekanntermaßen sind, den damaligen Bild-Chefredakteur, „Sittenverderber Kai Diekmann“, „ächten“ sollten.(12) Henschel begreift Prostitution, Telefonsex und Pornografie nicht als Ausdruck einer gesellschaftlichen und libidinösen Konstellation, die den Individuen die Realisierung ihrer sexuellen Wünsche und Bedürfnisse ebenso wie deren Sublimierung im Alltag stets aufs Neue versagt, sondern als Verfehlungen von Pervertierten, denen die deformierten Triebbefriedigungsversuche mitsamt ihren Folgen persönlich anzulasten sind.

Als hätte die Geschichte nicht gezeigt, dass das politische Unheil nicht von Leuten, die sich im bewussten Ausleben ihrer privaten sexuellen Phantasien im gesetzlichen Rahmen bewegen, sondern im Gegenteil von ihren psychopathologischen und lustfeindlichen Bekämpfern ausgeht, lassen Leute wie Henschel ihrem moralisch grundierten Abscheu vor dem sexuell-perversen „Dreck des Drecks“ (Horst Tomayer) beziehungsweise dessen Konsumenten, den „Bild-Lesern und ihrer dreckig abgehenden Phantasie“ (Henschel), freien Lauf. Zu den Tugendwächtern der deutschen Presselandschaft gehörte bis zuletzt auch Hermann Gremliza, der einen Großteil seiner publizistischen Tätigkeit damit zubrachte, den Bild-lesenden „Masturbanten“, „die der täglichen Vorlage auf Seite 1 bedürfen“ (Konkret 8/2000), mit einer an die staatlich verordnete Sexualmoral des Ostblocks gemahnenden Prüderie ihre Unkultiviertheit in Sexualangelegenheiten nachzuweisen.

Das „Bild-Girl“ ist seit 2012 abgeschafft. Wohl auch deshalb, weil sich heutzutage jedermann im Internet die nötigen Vorlagen und Kontakte verschaffen kann, finden sich in der Bild-Zeitung mittlerweile auch keine Sex-Anzeigen mehr. Da man im für Sex & Crime-Berichterstattung zuständigen Boulevard und somit auch in der Bild dennoch mehr nackte Haut zu sehen bekommt als in der „seriösen“ Presse, muss sich auch der aktuelle Bild-Chef Julian Reichelt als „Ekel-Bild-Chefredakteur“ (Böhmermann) bezeichnen lassen. Um marktwirtschaftliche Gesichtspunkte unter keinen Umständen ins Bewusstsein treten zu lassen – eine Geisteshaltung, die in Deutschland notorisch ist –, müssen moralische Argumentationsmuster her, mit denen man sich die perhorreszierte Schmuddeligkeit einer Zeitung erklären kann, die einen keiner zu lesen zwingt.

Bereits im Mai letzten Jahres und damit vor dem „unappetitlichen Compliance-Verfahren“ (Böhmermann) fand der Spiegel heraus, dass es sich bei den Redakteuren um Reichelt um „eine kleine, handverlesene Truppe junger Männer“ handle, „die den Ton und das Tempo von Bild prägen. Intern kursieren für sie diverse Spitznamen: ‚Julians Boygroup‘, ‚Fassbombenkommando‘ oder ‚Reichelts Kindersoldaten’“. Insgesamt befinde man sich in den Redaktionsräumen der Bild in einer „Welt, wie man sie aus Journalistenfilmen kennt. Weißwein, Bier, Zigaretten, Männergespräche.“ (30.5.2020) Obwohl Frauen in Chefredaktionsposten auch beim Springer-Verlag längst die Normalität darstellen, (13) sieht die Taz im „System Reichelt“ (Spiegel) den exemplarischen Fall einer „toxischen Betriebskultur in einer Branche, die noch lange nicht gendergerecht ist.“ (19.3.2021)

Die Beinahe-Vernichtung Christian Drostens

Als Mann und Chef der Bild-Zeitung – „zwei Fakten, die nicht unbedingt für einen Menschen sprechen“ (n-tv, 21.3.2021) – war Reichelt beim medialen und kulturellen Establishment schon seit seinem Antritt als Chefredakteur im Februar 2017 nicht gerade wohlgelitten – anders als etwa bei der B’nai B’rith Franz-Rosenzweig-Loge, die ihn für „seine konsequente und couragierte journalistische Tätigkeit zur Unterstützung des Staates Israel und zur Bekämpfung von Antisemitismus“ mit dem erstmals vergebenen Franz-Rosenzweig-Preis ehrte (Jüdische Allgemeine, 28.11.2017). Vollends unbeliebt gemacht hatte er sich allerdings erst im Frühjahr 2020. Reichelt wagte es nämlich, die Bild auf eine weitgehend kritische Berichterstattung über das Thema „Corona“ festzulegen. Die Tatsache, dass „keine andere deutsche Zeitung […] mit der grossen Koalition wegen deren holpriger Corona-Politik so hart ins Gericht“ geht wie die Bild-Zeitung (NZZ online, 13.3.2021), entging den Mainstream-Medien nicht. Letztere gerieten daraufhin in Erklärungsnot – etwa die FAZ im Mai 2020: „Aus der Ungewissheit, die in der Corona-Krise herrscht, gewinnt Bild seit Wochen die täglich verkündete Gewissheit, dass Angela Merkel und der Rest der Regierenden falsch liegen. Da ist von ‚Maskenchaos in Berlin‘ die Rede oder davon, dass die Bundesregierung, verlaufe die Pandemie weiter glimpflich, mit ihrer Lockdown-Strategie‚ ‚in Erklärungsnot‘ gerate: ‚Die Uhr tickt.‘ Ob man es nicht auch genau umgekehrt sehen könnte: Je glimpflicher die Corona-Infektion hierzulande verläuft, desto eher darf man den bisherigen Kurs der Regierenden […] für richtig halten?“ (FAZ online, 26.5.2020)

Da aus Reichelts Sicht Journalismus, ganz im Gegensatz zur staatstragenden Leitlinie der FAZ, „nicht dafür da [ist], das zu schreiben, was die Menschen, über die wir schreiben, lesen wollen“ (inside.podder Podcast von Axel Springer, Folge 15), werden auch diejenigen von den kritischen Nachfragen der Bild nicht verschont, die sich trotz ihrer Dauerpräsenz in Medien und Öffentlichkeit über jede Kritik erhaben dünken. So etwa der „wichtigste Mann Deutschlands“ (Stern) und „Gandalf der Nation“ (Frank Schwab, Professor für Medienpsychologie), der nationale Chefvirologe Christian Drosten. In einem Artikel von Ende Mai 2020 berichtete Bild über eine Studie, in der Drosten zusammen mit anderen Wissenschaftlern seines Hauses zu dem Schluss kam, dass Kinder das Virus SARS-CoV-2 in gleicher Intensität verbreiteten wie Erwachsene. Die Charité-Virologen kamen zu dem Schluss, dass die Schulen und Kindergärten, soweit dies nicht schon geschehen war, so schnell wie möglich zu schließen seien. Weil sich nach der Preprint-Veröffentlichung mehrere Wissenschaftler kritisch über methodische Mängel geäußert hatten, bezeichnete Bild die Studie als „grob falsch“ und zitierte neben anderen den Wirtschaftsprofessor Jörg Stoye (Cornell-Universität, New York) mit den Sätzen: „Die Ergebnisse ‚scheinen von Entscheidungen der Forscher getrieben zu sein.‘ Die Stoßrichtung der Resultate ‚stimme mit den öffentlichen Standpunkten […] der jeweiligen Hauptautoren überein.’“ (Bild, 26.5.2020)

Nachdem der verantwortliche Redakteur Filipp Piatov Drosten in einer E-Mail gebeten hatte, innerhalb einer Stunde zu der Kritik Stellung zu beziehen, veröffentlichte dieser die Anfrage mitsamt Piatovs Telefonnummer und Emailadresse auf Twitter, schrieb etwas von „Zitatfetzen […] ohne Zusammenhang“ und fügte hinzu, er habe „Besseres zu tun“ als der Bild-Zeitung zu antworten. Piatov erhielt in der Folge nicht nur unzählige Drohanrufe und Beleidigungen coronakonformer Bürger – auch die „seriöse“ Presse kannte kein Halten mehr. Sie warf dem Bild-Redakteur vor, er habe einen Satz der Studie falsch übersetzt und Drosten für eine Stellungnahme zu wenig Zeit gegeben.(14) Der Tagesspiegel bezichtigte die Bild einer „Anti-Drosten-“ und zugleich „Anti-Wissenschaftskampagne“, die FAZ sah ein „perfides Kesseltreiben“ und gar die „versuchte Vernichtung“ Drostens am Werk, und resümierte: „Von den ‚Covidioten‘, die sich am Wochenende zu Tausenden versammeln und gegen den Staat hetzen, ist das nicht weit entfernt.“ (FAZ online, 26.5.2020) Der Vorwurf der „unwissenschaftlichen Berichterstattung“ (Taz) wurde dadurch erhärtet, dass die Wissenschaftler, deren Kritik Piatov in dem Artikel veröffentlicht hatte, sich unmittelbar von der Bild und ihrer Berichterstattung distanzierten. Das geschah aber nicht aus inhaltlichen Gründen, sondern deshalb, weil sie wie alle kultiviert-gebildeten Deutschen „in der Pandemie zusammenstehen“ und auch sonst mit der Bild nichts zu schaffen haben möchten. Entsprechend anbiedernd und hohl fielen die Statements aus. Der von Bild zitierte Bonner Statistikprofessor Dominik Liebl, der gegen Drosten vermerkt hatte, „die statistische Analyse der Autoren widerspricht ihrer zentralen Schlussfolgerung“, äußerte sich auf Twitter nunmehr so: „Wir können uns mehr glücklich [sic] schätzen @c_drosten und sein Team im Wissenschaftsstandort Deutschland zu haben. They saved lifes!“. Und Jörg Stoye twitterte: „Ich will nicht Teil einer Anti-Drosten-Kampagne sein. Ich stand und stehe in keinerlei Kontakt zur Bild. Natürlich habe ich höchsten Respekt vor @c_drosten. Deutschland kann froh sein, ihn und sein Team zu haben.“

Drostens Kampf gegen Kollegen

Von den Tweets der Forscher bestärkt, die mit „Wissenschaft“ nichts, umso mehr aber mit polit-ideologischer Distinktion zu tun haben, machte man sich ans Werk, der „verschworenen Gemeinschaft von Reichelt-Gefolgsleuten“ (Tagesspiegel) zu erklären, wie wissenschaftliches Arbeiten funktioniert: „Da geht es nämlich kooperativ zu: Wissenschaftler forschen (und wissen nicht schon alles wie Herr Piatov). Sie veröffentlichen und stellen ihre (Teil-)Ergebnisse weltweit zur Diskussion. Dann geht es hin und her – und erst nach einiger Zeit (das kann Jahre oder Jahrzehnte dauern) gibt es eine mehr oder weniger abschließende wissenschaftliche Erkenntnis. Einen Piatov-Text dagegen kann man in 20 Minuten dahinrotzen. Egal, ob man Ahnung hat oder nicht. Egal, welchen Schaden man damit anrichtet. Egal, wen man gerade hinrichtet.“ (Georg Streiter via Facebook, 26.5.2020)

Was als wissenschaftlich zu gelten hat, bestimmen seit März 2020 Christian Drosten und seine Lautsprecher in Politik und Medien. Dies schließt die Entscheidung darüber ein, wie weit die zum Zwecke des Bild-Bashings gepriesene „wissenschaftliche Kooperation“ gehen darf. Nachdem der Mikrobiologe Alexander Kekulé bemerkte, Drosten hätte seine Studie im Vorabdruck „einfach zurückziehen“ müssen, da die Daten zu unsicher und deren statistische Auswertung ungenügend gewesen seien, twitterte Drosten: „Kekulé macht Stimmung, seine Darstellung ist tendenziös.“ (FAZ online, 28.5.2020) Die Diffamierung abweichender Ansichten wie der Kekulés durch Drosten ist kein Einzelfall. Ende März 2021 bezeichnete Drosten in seinem Podcast Coronavirus-Update Martin Kulldorff, Professor an der Harvard Medical School und Unterzeichner der Great Barrington Declaration – ein Ausruf von Wissenschaftlern, die unter anderem den generellen Lockdown als probates Instrument der Corona-Bekämpfung ablehnen – ohne nähere Begründung als „Pseudoexperten“. Ebenfalls unter diese Kategorie fallen für Drosten Wissenschaftler, die „Mehrdeutigkeiten“ verbreiten würden, womit er auf die Virologie-Professoren Hendrik Streeck und Jonas Schmidt-Chanasit abzielte. Ohne sie namentlich zu nennen, behauptete Drosten über die unter anderem von Streeck und Schmidt-Chanasit unterzeichnete Stellungnahme der Kassenärztlichen Vereinigung, in der Alternativen zur permanenten Lockdownpolitik vorgeschlagen werden: „Ich will zwei Beispiele von diesen mehrdeutigen Begriffen mal nennen. Das eine ist ‚mit dem Virus leben lernen‘, und das andere ist der Begriff der ‚Dauerwelle‘. Beide sind typische, mehrdeutige Begriffe im Sinne der Wissenschaftsleugnung.“ Überhaupt nähmen die Unterzeichner eine „absolute Minderheitsmeinung“ ein; Streeck und Schmidt-Chanasit seien, wie Drosten im Oktober letzten Jahres verkündete, „wirklich total irregeführt“. (Coronavirus-Update, 30.3.2021, Folge 82; siehe auch Welt online, 13.4.2021)

Als Virologe mit der größten Medienpräsenz in Deutschland, (15) dem Punkbands Lieder widmen (16) und in dessen Alltag, wie er stolz verkündete, die Bild-Zeitung nicht vorkommt, behauptet Drosten allen Ernstes, er wolle sich eigentlich gar nicht in der Öffentlichkeit exponieren – „ich brauche das nicht – es gibt kein Erfolgsmaß in der Wissenschaft, in Form von Podcasts oder Twitterfollowern. Im Gegenteil, für einen Wissenschaftler ist es gefährlich.“ Die geforderte Zurückhaltung ist jedoch nicht als reflexive Selbstbindung, sondern als Ratschlag an andere zu begreifen. Da er sich selbst nämlich für das Maß aller virologisch-medizinischen Dinge hält, fügte Drosten unmittelbar hinzu: „Ich mache das jetzt aber mal trotzdem, weil ich mich genau in diesem engen Forschungsfeld seit so langer Zeit schon bewege, dass ich weiß, dass ich frei und weitgehend ohne Fehler über das weitere Themenumfeld [!] dieses Problems sprechen kann.“ In seiner von allen Widersprüchen unbeeindruckten Selbstherrlichkeit behandelt er auch das Verhältnis von Wissenschaft und Politik. So behauptete Drosten, der sich seit nunmehr 13 Monaten auf unzähligen Kanälen in die Öffentlichkeit drängt, um in immergleichen Statements apodiktisch einen immer noch härteren und noch umfassenderen Lockdown zu fordern: „Ein Wissenschaftler ist kein Politiker […]. Kein Wissenschaftler will überhaupt so Dinge sagen wie: Diese politische Entscheidung, die war richtig. Oder diese politische Entscheidung, die war falsch. Oder diese politische Entscheidung, die muss jetzt als Nächstes getroffen werden. Sie hören das von keinem seriösen Wissenschaftler.“ (Coronavirus-Update, 30.3.2020, Folge 24)

Einige Monate nach der eben zitierten Aussage bezeichnete Drosten im Dezember 2020 die im Stile eines politischen Manifests verfasste Stellungnahme der „Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften“ unumwunden als „deutliche und letzte Warnung der Wissenschaft“ an die Politik. Die Stellungnahme sei „nicht auf einer akademischen Metaebene“ angesiedelt, „sondern die ist wirklich sehr konkret zu verstehen. […] Da sind auch Ergebnisse von Modellierungen und Zahlenschätzungen gezeigt und da sind konkrete Empfehlungen drin. Diese Empfehlungen sind sicherlich für die Politik etwas, das eine Richtung vorgeben könnte. Da muss man allerdings auch sagen: Wenn die Politik sich anders entscheidet, dann hat sie sich auch nicht mehr für die Wissenschaft entschieden.“ (Coronavirus-Update, 8.12.2020, Folge 68) An den Drohungen eines nach politischem und öffentlichem Einfluss geradezu lüsternen Machtmenschen ohne Mandat stören sich „seriöse“ deutsche Journalisten, die Boulevard-Berichte eifernd nach Fehlern absuchen, um vom Regierungskurs abweichende Konkurrenten mundtot zu machen, selbstredend nicht. Vielmehr blendet man die Täuschungen, Denunziationen und Widersprüche des wahrscheinlich einflussreichsten Regierungsberaters seit Bestehen der Bundesrepublik bewusst und systematisch aus.

Wissenschaft als Ideologie

Es oblag daher einem Schweizer, dem St. Gallener Historiker Caspar Hirschi, das Kritik-Tabu zu brechen. Über die „Politisierung der Expertise“ durch die Leopoldina schrieb Hirschi in einem Gastbeitrag in der FAZ: „Den Bundestagsabgeordneten drohte die Ächtung durch die Nationale Akademie der Wissenschaften, sollten sie die Notwendigkeit des Lockdowns debattieren wollen. Das Kalkül der Bundesregierung ging auf. Nur die Rechtspopulisten protestierten gegen die Verschärfung der Einschränkungen und beflügelten die Bundeskanzlerin zu ihrem Plädoyer für die Wissenschaft, das von den meisten Medien begeistert aufgenommen wurde. […] Die wissenschaftliche Wahrheit, repräsentiert durch die Leopoldina, wurde wie ein Wert behandelt, der alle anderen Werte aus dem Feld schlug. Die Wissenschaft verwandelte sich in Ideologie.“ (FAZ online, 9.3.2021)

Als wäre die Bild-Zeitung ein Wissenschaftsjournal und kein Boulevard-Blatt, machte man sich daran, ihren Redakteuren vorzuwerfen, sie verstünden die Gepflogenheiten wissenschaftlichen Forschens nicht. Auf diese Weise gelang es, die zentrale Tatsache, dass Drosten und seine Mitarbeiter aufgrund fehlerhaft zustande gekommener Zahlen und falsch ausgewerteter Ergebnisse die politische Forderung erhoben hatten, Schulen und Kindergärten zu schließen, interessiert unter den Tisch fallen zu lassen. Dabei hätte jeder leicht erkennen können, dass es sich bei der Bild-Berichterstattung nicht um einen konsensorientieren Beitrag zu einem als widerspruchsfrei begriffenen „Wissenschaftsdiskurs“, sondern schlicht um die Warnung vor den „weitreichenden politischen Konsequenzen“ (Bild, 26.5.2020) einer erwiesenermaßen höchst fragwürdigen Studie handelte. Dass dem deutschen Establishment und seiner Presse die rigide Lockdownpolitik schon im Mai 2020 nicht weit genug gehen konnte, ist bekannt. Die konzertierte Abwehr eines kritischen Artikels durch Journalisten, die ihre Aufgabe primär darin erblicken, die Vorgaben der Regierung und ihrer Berater möglichst drastisch unters Volk zu bringen, war dennoch nicht zu erwarten gewesen. Die „neue Qualität“ an „flächendeckender Empörung [und] Wutausbrüchen über Bild“ (Mathias Döpfner), welche die Kritik an Drostens Studie nach sich zog, war durch medial geschürte Panikmache und autoritäre Mit-mach-Appelle geschürt worden – mit Methoden also, die man der Bild-Zeitung vor allem in den 1960er Jahren nicht ohne Recht vorgehalten hatte.

Seit März 2020 folgt der überregionale deutsche Journalismus mit Ausnahme der Springermedien Welt und Bild aus freien Stücken der von Leuten wie Drosten ausgegebenen Devise, „dass wir den politischen Journalismus jetzt ein Stück weit zurückfahren müssen und den Wissenschaftsjournalismus und den inhaltlich gerichteten Journalismus vortreten lassen müssen. Das ist im Moment wichtig, denn sonst wird zu viel öffentliche Zeit und öffentliche Aufmerksamkeit verschwendet.“ (Coronavirus-Update, 12.3.2020, Folge 12) Bild hält sich nicht daran und hat, trotz des Rückgangs der vergleichsweise noch immer hohen Print-Auflage, deutlich steigende Digital-Abos zu verzeichnen.(17) Ihre Leser repräsentieren sicherlich nicht die „wirklich interessierte Bevölkerungsschicht in Deutschland, gebildete Leute, die […] in ihrer Umgebung Multiplikator-Funktionen“ (18) für die Wahrheiten von eben Drosten wahrnehmen sollen. Bild lesen vielmehr diejenigen, „die tendenziell das Problem haben: meine Sorgen versteht keiner, meine Probleme sieht keiner, meine Stimme hört keiner“, weshalb Bild in den Augen ihres Chefredakteurs vor allem „ein Ventil“ darstellt.“ ( Inside.pod – der Podcast von Axel Springer, Folge 15)

Politischer Journalismus aus dem Hause Springer

Weil Bild unter Überschriften wie „Hier spricht das Volk: Uns reicht’s! Corona-Kontrollen nur noch Schikane“ Dachdecker, LKW-Fahrer und Tätowiererinnen zu Wort kommen lässt, damit sie von ihren nicht nur coronapolitisch bedingten Nöten erzählen können, erhebt eine großen Teilen der Bevölkerung längst feindlich gegenüberstehende staatstragende Klasse den Vorwurf des „Populismus“ und straft sie mit Hohn und Verachtung. Deutlich wird damit ein verändertes Medienverständnis, in dem Presse und Rundfunk nicht mehr die „vierte Gewalt“ ausüben, sondern eine staatsschützende „Systemfunktion“ (19) (Drosten) einnehmen sollen. Im Gegensatz zu solcherart proto-totalitären Ansichten erblickt die Bild-Zeitung ihre Aufgabe nicht (mehr) in der Einschwörung ihrer Leser auf die herrschende Ideologie, sondern darin, „die Mächtigen dieses Landes zu kontrollieren“.(20) Damit repräsentiert sie den Bevölkerungsteil, der sich durch den überparteilich eingeschlagenen Kurs im Zeichen von Klimarettung, gesundheitsfixierter Fürsorgepolitik und postmoderner Deregulierung zunehmend der eigenen materiellen Lebensgrundlage und immer mehr auch jeglicher Alltagsfreude beraubt sieht. Die zeitgemäße Linke will von solchen materiellen Widersprüchen, die man in früheren Zeiten als „Klassenwidersprüche“ zu fassen zumindest versucht hatte, nichts hören, weshalb sie Medienhäuser und Verlage, die darüber berichten, mit Boykott-Aufrufen belegt: „Jeder sollte dieses Blatt boykottieren: LeserInnen, indem sie kein Geld dafür ausgeben, JournalistInnen, bei Bild oder Springer, indem sie sich einen anderen Job suchen. Unternehmen, indem sie dort keine Anzeigen schalten, und PolitikerInnen, indem sie dem Blatt keine Interviews mehr geben.“ (Taz, 6.9.2020, Rechtschreibung und Interpunktion im Original)

Was man der Bild-Zeitung bis vor kurzem noch vorgeworfen hatte: sie diene den herrschenden Interessen im Sinne einer „Systempresse“, hat sich mittlerweile umgekehrt: Die Bild stellt sich als zu kritisch und unangepasst für eine links gewordene Gesellschaft heraus, deren Vertreter von Widersprüchen unbehelligt bleiben möchten. Dies verweist auf einen strukturellen gesellschaftlichen Wandel, in dessen Zuge das ehemals affirmativ-staatsloyale Springer-Blatt, das einmal angetreten war, das deutsche „Establishment in seiner effektiven […] Wirksamkeit“ zu verteidigen, (21) sich in der Rolle dessen wiederfindet, der dem Establishment den Kampf ansagt.

Der Feldzug gegen die Bild-Zeitung, der immer auch auf ihre Leserschaft zielt, erinnert nicht zufällig an die US-amerikanische Anti-Fox-News-Kampagne, die gegenwärtig unter dem Hashtag UnFoxmycablebox ihr Unwesen treibt. Die von Politikern der Demokratischen Partei, dem Konkurrenzsender CNN und weiten Teilen der linksliberalen Öffentlichkeit unterstützte Boykott-Bewegung hat sich auf die Fahnen geschrieben, den Sender mit den höchsten Einschaltquoten in den USA dauerhaft aus dem Programm der Kabelanbieter zu entfernen. Der Grund: Fox News und andere rechte Medienhäuser hätten nicht nur Fake News über die US-Wahlen 2020, ethnische Minderheiten, Einwanderung, Feminismus usw. verbreitet – lies: vom Erlaubten abweichende Ansichten zum jeweiligen Gegenstand geäußert –, sondern seien zudem, wie es die Demokratischen Abgeordneten Anna Eshoo und Jerry McNerney virologisch ausdrückten, „zentrale Überträger für die Verbreitung von Falschinformationen (key vectors of spreading misinformation) in Bezug auf die Pandemie.“ (Politico, 22.2.2021)

Vor kurzem kündigte Julian Reichelt an, dass Bild noch in diesem Jahr mit einem eigenen Fernsehsender ins Programm gehen werde. Er wolle „Fernsehen machen, das Menschen nicht belehrt, sondern zeigt, was ist. Das Menschen eine Stimme gibt und ihnen aus der Seele spricht.“ (Bild, 13.4.2021) Mit Blick auf Fox News ist ihm dabei so viel Erfolg wie möglich zu wünschen.

Andrea Dielle (Bahamas 87 / 2021)

Anmerkungen:

  1. Andreas Reckwitz: Die Gesellschaft der Singularitäten. Zum Strukturwandel der Moderne, Berlin 2017, 150.
  2. FAZ-Magazin (März 2021): „Es gibt kein Recht auf Sex mit einer Frau“ 24–28, hier 24.
  3. Offener Brief an Tamedia: https://drive.google.com/file/d/1s_maErEQ_2AL8CEAw0eH8xyRRDbRF7bZ/view
  4. Die NZZ schreibt: „Es gebe keinen Machtmissbrauch, heisst es aus Reichelts direktem Umfeld. Bei ihm gehe es nur um Leistung. Das sagen allerdings auch die Redaktoren, die nicht zu seinen Getreuen gehören.“ Die langjährige Ex-Bild-Mitarbeiterin Anna von Bayern, deren direkter Chef Reichelt vier Jahre lang war, berichtete, sie habe „nie erlebt, dass er seine Macht gegenüber Mitarbeiterinnen missbraucht hätte.“ Den „leidenschaftlichen Eifer, mit dem diese Vorwürfe von allen möglichen Seiten betrieben werden“, erklärt sie sich damit, dass sich Reichelt viele Feinde gemacht habe, weil „er einer der unbequemsten Journalisten des Landes ist.“ (NZZ online, 13.3.2021)
  5. www.youtube.com/watch?v=5ee9IG-0zNQ
  6. Gudrun Kruip: Das „Welt“-„Bild“ des Axel Springer Verlags. Journalismus zwischen westlichen Werten und deutschen Denktraditionen, München 1999, 111. Was den ersten Grundsatz betrifft, war Springers publizistisches Bemühen um die Wiedervereinigung weniger nationalistisch als freiheitlich grundiert: Laut Selbstaussage hätte er zwei freie beziehungsweise bürgerlich-demokratische deutsche Staaten durchaus akzeptiert; vgl. ebd., 135–136.
  7. ebd., 272.
  8. zit. n. ebd., 127 u. 129.
  9. „Julius Streicher hetzte in seiner Zeitung Der Stürmer zum Judenmord. Er wurde dafür zum Tode verurteilt. Axel C. Springer hetzt zum Studentenmord. Er wurde bisher nicht verurteilt und hetzt und hetzt und hetzt...“ (Flugblatt); www.welt.de/politik/article1707991/Als-der-Hass-auf-Axel-Springer-eskalierte.html
  10. Kruip: „Welt“-„Bild“, 266.
  11. zit. n. ebd, 265.
  12. Gerhard Henschel: Von Tag zu Tag wird’s schmutziger. Bild als Kulturproblem, in Merkur 59 (2005), wiederabgedruckt in: Ders.: Gossenreport. Betriebsgeheimnisse der Bild-Zeitung, Berlin 2006 (3. Aufl.).
  13. Wie weit die antisexistischen Vorwürfe an der Realität am Arbeitsplatz vorbeigehen, machen Aussagen von Bild-Mitarbeiterinnen zum Thema deutlich. So berichtete Karina Mößbauer, Reporterin im Politikressort, dass sich die Politikredaktion in den letzten Jahren „radikal verändert“ habe und „wesentlich weniger ‚macho‘ als vor sieben Jahren“ sei. Der Laden habe sich „einmal auf den Kopf gestellt.“ Dass dennoch mehr Männer als Frauen bei Bild arbeiten, hat mit Sexismus oder irgendwelchen ominösen „patriarchalischen Strukturen“ wenig zu tun. Die stellvertretende Chefredakteurin Mandy Sachse begründete dies vielmehr damit, dass sich meist nur wenige Frauen bei Bild bewerben würden. Vor kurzem habe sie drei Männer eingestellt – was daran lag, dass sich unter 18 Bewerbern keine einzige Frau befunden habe. Für Redaktionsleiter Kai Wiese könnte dies daran liegen, „dass der Ton den wir pflegen, damit meine ich jetzt nicht den internen Ton, der Ton für den wir stehen, den wir in unserem Blatt vermitteln oder den wir online vermitteln, dass das nicht immer der Ton ist, den Frauen pflegen.“ Zudem haben viele Frauen offenbar auch einfach keine Lust auf zeitraubende Full-Time-Jobs: „Ich erinnere mich auf jeden Fall an viele Frauen, die in Führungspositionen waren – und auch Bild als Gruppe wird ja im Vorstand von einer Frau geführt –, und ich habe wirklich viele Kolleginnen erlebt, die Kinder bekommen haben, und dann etwas zurückgetreten sind, weil der Beruf einfach sehr fordernd ist. Man kann Bild in der Chefredaktion nicht in Teilzeit erledigen, das geht einfach nicht.“ (Karina Mößbauer) (Alle Zitate aus: „Bild. Macht. Deutschland?“, Folge 6)
  14. Der erstgenannte Vorwurf bezieht sich auf den Satz „Children may be as infectious as adults“, den Piatov mit „Kinder können genauso ansteckend sein wie Erwachsene“ übersetzte. Was die Zeit betrifft, die man Drosten für eine Antwort gegeben hatte, so räumte Reichelt später ein, dass die Frist von einer Stunde in der Tat sehr eng bemessen war, dass Drosten aber um eine Fristverlängerung hätte bitten können.
  15. Dies ergab eine Spiegel-Auswertung für das Jahr 2020: „Der gefragteste Virologe des Landes war […] Christian Drosten von der Charité Berlin. Kein anderer Corona-Experte wurde so häufig in Print- und Onlinemedien erwähnt wie er.“ (Spiegel online, 23.12.2020)
  16. Die Kreuzberger Band ZSK, die bereits mit dem Song „Ganz Deutschland hasst die AfD“ in die entsprechende Richtung vorgeprescht war, vertonte Drostens Satz „Ich habe Besseres zu tun“ in einem gleichnamigen Lied.
  17. Im November 2020 übersprang die Zahl der Digital-Abonnenten von Bild Plus die Marke von 500.000. Allein im Jahr 2020 wuchs die Zahl der Abonnenten um rund 50.000 und damit schneller als im vorausgegangenen Jahr; www.dwdl.de/zahlenzentrale/80538/bild_plus_hat_nun_ueber_500000_zahlende_abonnenten/?utm_source=&utm_medium=&utm_campaign=&utm_term=
  18. Drosten im Interview mit Zapp, /www.youtube.com/watch?v=pc4ZXMdW_7M
  19. ebd.
  20. Reichelt in „Bild. Macht. Deutschland?“, Episode 1
  21. Kruip: „Welt“-„Bild“, 147.

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