Vortrag & Diskussion in Offenbach

Freitag, den 19. Januar 2018 um 19:00 Uhr
HfG Kapelle, Schloßstraße 31 (Isenburger Schloß)
63065 Offenbach am Main

Hilfe, die Rechtspopulisten kommen!

mit David Schneider

Die von akademisch gebildeten Linken und Liberalen manisch zur Schau gestellte Gegnerschaft zum Rechtspopulismus hat mit der gebotenen Kritik der zum Beispiel in der AFD verbreiteten deutschen Ideologie rein gar nichts zu tun. Den ständig warnenden und mahnenden Fortschrittsdeutschen gilt der Rechtspopulismus vielmehr als die Weigerung, bei dem mitzumachen, was sie selbst für modern und zeitgemäß erklären. Jede Unmutsäußerung gegen die pseudoindividualistischen Zumutungen des postmodernen Kapitalismus und jeder noch so sanfte Widerstand gegen die islamische Bedrohung werden von der scheinliberalen Aufpasser-Gemeinde als kleingeistig und tendenziell rechtspopulistisch abgekanzelt.

Kaum war die am 19.12.2017 durchgeführte und rundum gelungene Veranstaltung „Berlin Gegen Islamismus“, auf der endlich einmal gegen die islamistischen Mörder und ihre Förderer in gebotener Deutlichkeit demonstriert wurde, vorbei, hagelte es Kritik an den Veranstaltern: Man habe sich zu wenig von der AFD abgegrenzt, so der Tenor vom kultursensibel verblödeten Antideutschen bis zur rotgrünen taz. Die vom Meinungsfetischismus getriebene konformistische Krawalltruppe AFD liefert den in ihrer Prioritätensetzung hoffnungslos verstörten Islamverharmlosern aller Lager den billigsten Vorwand, nicht vom Islamismus reden zu müssen. Deren betonte Menschlichkeit erweist sich schon allein deswegen als große Farce, weil sie mit ihrem larmoyanten und selbstverliebten Gegröle gegen die AFD, das routinemäßig immer dann ertönt, wenn es um den politischen Islam zu gehen hätte, vor allem eines bekunden, nämlich, dass ihnen die von Islamisten Ermordeten und Drangsalierten scheißegal sind.

Was die antifaschistisch aufgemotzten Toleranzprediger im Dienste von Staat und Kapital indes verschweigen, ist die schlichte Tatsache, dass die „Themen des Agitators“, um es mit Leo Löwenthal zu sagen, „entstellte Versionen echter sozialer Probleme“ sind: eben echter sozialer Probleme, von denen nicht mehr gesprochen werden soll.

Die radikale und universitäre Linke, die sich seit ihrer Verabschiedung von der Kritik der politischen Ökonomie in einem fortschreitenden Verfallsprozess befindet, mischt beim Aufbruch aller motivierten Deutschen fleißig mit. Seit neuestem steht man auf Vielfalt, kollektive Identitäten und Migration. Das teils manifest pathologische Verhältnis zu den idealisierten Flüchtlingen, die für die frei fließenden Projektionen ihrer selbsternannten Fürsprecher freilich nichts können, korrespondiert mit einer immer offener zutage tretenden Verachtung der autochthonen Arbeiterklasse und Unterschicht. Scharf ist man auf Flüchtlinge nicht nur, weil die paternalistische Verhätschelung für abenteuerliche Sinnstiftung sorgt. Die nachbürgerlichen Subjekte sehen im Flüchtling den vollendeten Idealtypus des Mobilen inmitten einer kontinuierlich flexibler und grenzenloser werdenden Arbeitswelt, mit der man sich prospektiv identifiziert.

Die weinerlich betonte Güte, die man für die neuen Adressaten linker Politik in überdosierter Weise parat hat, steht im Umgang mit den autochthonen Abgehängten überhaupt nicht mehr zur Debatte. Im Gegenteil, für die sesshaften Modernisierungsverweigerer ohne herkunftsbezogenen Opferbonus gilt stattdessen: Hätten die Leute etwas Anständiges gelernt, müssten sie sich nicht über Schichtarbeit oder Arbeitslosigkeit mokieren, würden sie gesünder leben, könnte man die Sozialausgaben minimieren und würden sie sich ein bisschen mehr kultursensibel fortbilden, dann könnten sie auch noch den Islam als Bereicherung erkennen.

Man muss sich nur das als tiefe Sorge vor Rassismus und Reaktion getarnte jungdeutsche Gekeife gegen die sogenannten alten weißen Männer anschauen und kann unschwer erkennen, dass der zeitgenössische Pseudoantifaschismus der Flexiblen und stramm Fortschrittlichen vor allem eines ist: giftiger Konkurrenzkampf einschließlich des unverkennbaren Willens, das alternde und unflexible Menschenmaterial aus dem Weg zu räumen.

Veranstaltet von Contre-Critique