Vortrag & Diskussion in Oldenburg

Montag, den 28. Mai 2018, 19:00
BIS-Saal, Universität Oldenburg

Zur Kritik der Politischen Ökologie

mit Jörg Huber

Dass Klimaabkommen das Papier nicht wert sind, auf dem sie geschrieben stehen, weiß im Grunde jeder. Die Unterzeichner halten sich nur an ihre unverbindlichen Versprechungen zur Reduzierung von Treibhausgasen, wenn sie ihnen gerade opportun erscheinen. Zwischen dem moralisch hochtrabendem Anspruch der Klimapolitik und der Wirklichkeit klafft eine große Lücke. Dass die Klimapolitik, obwohl sie das Klima kaum beeinflussen kann, mit ihren jährlichen Mammut-Konferenzen dennoch immer wieder Aufmerksamkeit erregt, hat vor allem ideologische Gründe. Das Klima muss zur Rechtfertigung einer rücksichtslosen Politik herhalten.

Ein schon groteskes Beispiel dafür war die Anerkennung Syriens als Klimaretter, die die Tagesschau am 7.11.2017 vermeldete:

USA isoliert
Auch Syrien tritt Klimavertrag bei
Als letztes UN-Land will nun offenbar auch Syrien dem Pariser Klimaabkommen beitreten. Die USA, deren Präsident Trump Anfang Juni den Austritt angekündigt hatte, wären damit als einziger Vertragsgegner völlig isoliert.
[…]
“Es ist höchst erfreulich, dass Syrien soeben angekündigt hat, dem Pariser Klimaabkommen beitreten zu wollen”, sagte Sabine Minninger, Klimareferentin von Brot für die Welt. Angesichts des “verheerenden Klimawandels” zeige die Welt Einigkeit.
[…]

Wie soll das kaputte Bürgerkriegsland Syrien einen nationalen Plan zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen entwickeln und einhalten, den das Pariser Abkommen vorsieht? Nach 6 Jahren mörderischer Kämpfe mit hunderttausenden Toten gelingt in weiten Teilen des Landes nicht einmal mehr die Versorgung mit dem Allernötigsten. Wie kann man nur die Absichtserklärung eines Regimes ernst nehmen, das ständig Giftgas einsetzt und damit auch gegen das von ihm unterschriebene Genfer Protokoll verstößt?

Es ist der billige symbolische Erfolg, der alle offensichtlichen Widersprüche vergessen lässt und die zynische Einigung mit Syrien und anderen brutalen Regimes in den Augen von Klimaschützern rechtfertigt: Die USA erscheinen international isoliert. Um gegen diesen angeblich allerschlimmsten Klimaleugner zu mobilisieren und sich dabei politisch mit der ganzen Welt vereint zu fühlen, ist einfach jeder Verbündete recht.

Der Vortrag wird die Entwicklung der politischen Ökologie nachverfolgen und dabei nicht nur den übergeschnappten Klimaaktionismus kritisieren. Es geht darum allgemein zu verstehen, wie mit scheinbar wissenschaftlichen Argumentationsmustern unterfütterte ökologische Debatten eine regressive Politik befördern können, die die im Westen errungenen sozialen Freiheiten im Namen der Umwelt kassieren möchte und sie der übrigen Welt am liebsten gleich ganz vorenthalten würde.

Veranstaltet vom AStA der Universität Oldenburg